Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WASSER ÜBERFALLT DIE NEUSTADT

Unglücksgefahr durch warmen Landregen und Überschwemmungen in der Neustadt und Umgebung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 1. Februar 1862 · Seite 3
Der seit ein paar Tagen fallende warme Landregen gibt Anlaß zu den ernstesten Befürchtungen wegen Unglücksfällen am Lande, wo bekanntlich schon der letzte kürzer anhaltende Regen arge Verwüstungen im Ober und Unterinn- Thale und Brirenthale zur Folge hatte. Gestern war, obwohl das aus der kleinen Sill in die Ritsche von Wilten und durch die Neustadt einfließende Wasser abgesperrt wurde — durch den intensiven Regen Nachmittags das Rinnsal der Neustadtritsche selbst für den Zufluß deS RegenwasserS zu eng, und trat in der Neustadt dasselbe derart aus, daß die Deckblöcke aufgehoben wurden und gesichert werden mußten, und sich ein 4 Klafter breiter trüber Wasserstrom durch die Mitte der Neustadt herabwälzte. Der Inn, der noch vor drei Tagen unter Null stand, hatte gestern bereits 5 Fuß Wasserhöhe und AbendS 6 Fuß. In AmraS und Hötting mußten gestern wieder aus mehreren Häusern Menschen und daS Vieh eilends in Sicherheit gebracht werden. DaS Wasser des DienzgerbacheS ist ebenfalls zu gefahrdrohender Höhe angewachsen. FernerS sind an dem benachbarten Hügel, besonders nächst Weyerburg, Erdabrutschungen sehr zu befürchten. In Völs, wohin schon Mittags städt. Arbeiter zu Hilfe gerufen wurden, hat der Aramer Bach arge Verwüstungen angerichtet und sollen zwei Häuser eingestürzt sein. Heute hat wenigstens der Regen aufgehört, doch ist die Temperatur noch immer abnorm, nämlich 4 Grad Wärme.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Februar 1862, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1087-ungluecksgefahr-durch-warmen-landregen-und-ueberschwemmungen-in-der-1862).

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