1294 Bei der neulich in Preßburg im Dome stattgehabten Trauung des Grafen Adrässy mit der Baronesse Wenkhcim konnte man die Beobachtung machen, daß in Ungarn noch immer „ goldene Zeiten " herrschen; denn abgesehen von der außerordentlichen Pracht, die der an der Feierlichkeit theilnchmende hohe Adel entfaltete, überraschte eine Erscheinung nach der Trauung außerhalb der Kirche. AuS einem der Wagen strömte nämlich ein Goldregen auf die Schaar der Neugierigen, und eS mochten wohl etliche hundert Dukaten gewesen sein, welche von einem Cavalier unter daS Volk geworfen wurden. ES gab Glückliche, denen die Goldfüchse zu 3 und 4 in den Hut fielen und die Anfangs gar nicht wußten, woher die Befcheerung komme. Man wird übrigens die originelle Idee deS GoldauSwerfenS in unfern armen, papicrnen Tagen minder überraschend finden, wenn man weiß, daß die glücklichen Neuvermählten deS Besitzes verschiedener Millionen sich erfreuen. Die Zahl der Opfer der um Frankfurt, dem Sitze deS Bundestages ge. legencn Spielbäder nimmt in entsetzlicher Weise zu. Während sich vor wenigen Tagen in einem derselben ein angesehener, wohlhabender Bürger und Familienvater, der beträchtliche Verluste erlitten, erschoß, fand man vor einigen Tagen in dem belebtesten und schönsten Theile der Hamburger Promenade einen jungen Mann todt auf. Derselbe hatte sich, nachdem er Hab und Gut an der dortigen Bank verspielt, erhängt. — Einer Mittheilung deS in Frankfurt a. M. erscheinenden „ Volksfreund " entnehmen wir, daß in Homburg im Laufe des vorigen JahreS 9 oder 10 Selbstmorde vorkamen; im Monat September allein 4. Wann wird dieses verdammungswürdige Treiben in Deutschland endlich enden! Tcplitz, 27. Juni. Der Kurfürst von Hessen ist heute um 5 Uhr Nachmittags unter dem Namen eines Grafen von Hanau hier eingetroffen. Der Tenorist Wachtel hat im Kovcntgardentheatcr in London den Edgardo in der Oper „ Lucia " mit großem Erfolge gesungen, in Folge dessen er von der Direktion auf vier Monate, d. h. vom 1. Mai bis Ende August 1863 mit 16,000 fl. Gage engagirt wurde. Folgender interessante Fall von einer Doppelheirat wird aus Kaschau berichtet: Vor einigen Wochen kam ein schöner, hochgewachsener, in den besten Jahren stehender Mann, der sich für einen Polen auSgab, nach Kaschau. Er halte ein gutes Mundwerk, that groß, und suchte vor Allem ein Quartier und ein liebevolles Herz Beide Wünsche wurden rasch erfüllt. Schnell gewonnene Freunde führten ihn im Kreise ihrer Bekannten auf, und bald war auch ein junges Mädchen aufgefunden, welches, wie so viele Andere, leichtsinnig genug war. einem Unbekannten, den eS kaum gesehen hatte, Hand und Herz zu schenken, und mit ihm, dem völlig Fremden, ein Bündniß „ für daS Leben " einzugehen. Am Tage vor der Hochzeit zahlte die verliebte Braut für ihren „ Zukünftigen " eine „ Ehrenschuld " von 160 fl., und am HochzeitSabend, als sich die Gäste, vielleicht voll Seligkeit, eine glückliche Partie gestiftet zu haben, entfernt hatten, zwang der Schändliche die junge Frau, ihm ihr fämmtlicheS Baargeld, welches sic kurz zuvor erhoben hatte, und einen Schuldbrief von 2000 fl. öst. W. zu übergeben, und — empfahl sich. Man kann sich den Skandal denken. Die arme Betrogene lief noch in derselben Nacht zu den Ihrigen. Die Behörden wurden angerufen, und nach
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Juli 1862, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1148-skandalreiche-doppelheirat-in-kaschau-betrogene-fluechtet-in-1862).
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