Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ÖSTERREICH GEGEN DÄNEN – MIT INFANTERIE UND DRACHERN

Schließung der Landtagssession in Berlin und Bewegung österreichischer Truppen nach Schleswig

Dienstag JY§ 20, 26. Jänner 1864 Dem „ Tiroler Bothen " kam Heu e so gcnde Depesche zu: Berlin, 25. Jan. Die Session der beiden Häuser des Landtags wurde heute im Allerhöchsten Aufträge durch den Ministerpräsidenten Bismark geschlossen; die Thronrede, womit dieselbe den Schluß verkündigte, spricht über die Haltung der Abgeordneten Tadel ans; die Negierung erklärt ihren Standpunkt festzuhalten, rügt die Verweigerung der Anleihe, und verzichtet einstweilen ans eine Verständigung; sie spricht die Ueberzeugung ans, daß die Gesinnung des Landes für Gewährung einer Unterstützung sei. Zweistündlich passiren österreichische Truppen Berlin. Die Großmächte haben Dänemark die nachgesuchte Bedenkzeit verweigert. Die nach Schleswig bestimmten österreichischen Truppen sind: Je zwei Bataillone der Infanterie - Regimenter König der Belgier Rr. 27, Großherzog von Hessen Nr. 14, Coronini Nr. 6, Prinz zu Holstein Rr. 80, Ramming Nr. 72 und Chevenhüller Nr. 35; dann je vier Eskadronen Lichtenstein - Hußaren und Windischgrätz - Dragoner, sämnnlich sammt dem betreffenden RegimentSstab; daS 9, 11. und 22. Jägerbataillon; drei vierpfündige und zwei achtpsündige Fuß - ' batterien des ersten Artillerie - Regiments; 1 Pionnier und eine halbe Geniekompagnie; 1 ^ 2 Brückcnequipagen, 2 > /r KriegStranSportS - Eskadronen, IV 4 Sanitätskompagnie und die entsprechenden Train - Munitions und Parkkolonnen. Im Ganzen besteht das österreichische Armeekorps aus 693 Offizieren, 19,885 Unteroffizieren und Gemeinen mit 4979 Pferden. Se. Majestät der Kaiser hat allergnädigst zu bewilligen geruht, daß die nach den Herzogthümern abrückenden Truppen mit 1. Februar in den Genuß der vollen Kriegsgcbühr trelen. FM 8. Baron Gablenz, Kommandant des österreichischen BundeS - ErekutionSkorps, ist am 21. d. sammt Stab und OperationSkanzlei mit dem Frühzuge der Nordbahn nach Breslau abgegangen. In Berlin wird eS, wie man von dort schreibt, als nicht unmöglich angesehen, daß die Bundestagsgesandten Preußens und Oesterreichs eine Zeit lang von den Sitzungen der Bundesversammlung fern blieben. Doch wird dies von dem weiteren Gange der Dinge in Frankfurt abhängen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. Jänner 1864, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1357-schliessung-der-landtagssession-in-berlin-und-bewegung-1864).

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