Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KAISER AUF DER MARTINSWAND IN GLAS GEFASS

Glanzvolle Ausführung eines GlaSgemäldes der Martinswand in der Hauskapelle des Erzherzogs Carl

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. August 1864 · Seite 3 · #Unternehmen
Beim Hauptthore des Landhauses in Graz befindet fich eine Tafel mit der Inschrift: „ Daß Niemand, wer eS auch fein mag, sich unterstehe, in diesem Hochbefreiten Land HauS zu rumoren, die wöhr, Tolch oder Brvdmesser zu zucken, zu balgen und zu schlagen, glcichSsalls mit anderen Wöhren ungebühr zu üben, oder Maulstreich auSzugeben, sondern hinnen aller Gebühr, und Bescheidenheit mit Worthen und werken zu gebrauchen, welche aber darwiederhandeln, daß dieselben nach Gelegenheit ihreS Verbrechens an Leib und Leben unnachlässtg sollen gestraffet werden Actum Gräz den 20 F bruari 1588 " Dem Glaswalereibefitzer in München, Herrn Anton Ferstl ( GabclSbergerstdaße Nr. 19), wurde von Sr. k. k. Hoheit dem Erzherzoge Carl von Oesterreich der hohe Auftrag zu Theil, für seine HauSkapelle ein GlaSgemälde anzufertigen, und wurde ihm biezu bestimmt, als Mittelpunkt den Kaiser Mar I. auf der Martins wand darzustellen. Diesem hohen Austrage ist Herr Ferstl nun in glänzender Weise nachgekommen. Man ficht den Kaiser Mar auf der steilen Höhe auf einer vorspringenden Felsenplatte knieend, in demselben Augenblicke, alS der Priester von Zieil, umgeben von einer Menge Volkes, ihm vom Thale aus den Segen gibt und ihm die Monstranz zeigt. Der Kaiser blickt andächtig und sehnsuchtsvoll in die Tiefe, das Haupt von blonden Haaren umwallt, die Hände über der Brust gefaltet. Im grünen Jagdgewande, den Bergstock an der rechten Seite, die Armbrust auf dem Rücken — kniet er da, ein verlassener, von der ganzen Welt abgcschnittener Mann, den gewissen Tod vor Augen; denn noch nicht dringt der Ruf seines Retters: „ Holla, was machst du da? " zu seinen Ohren. Auch die Landschaft deS Bildes ist ausgezeichnet, der Inn schlingt fich durch dieselbe wie ein silberweißer Faden, den Hintergrund begrenzen die im ersten Morgenrothe beleuchteten Schneebcrgc Tirols. Die ganze Ausführung deS prachtvollen Gemäldes zeugt von tiefem Verständniß und dem Kunstsinne, der in diesem Atelier herrscht.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. August 1864, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1475-glanzvolle-ausfuehrung-eines-glasgemaeldes-der-martinswand-in-der-1864).

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