seit zwölf Jahren. Anfangs nahm er ganz kleine Körnchen, später wöchentlich zweimal größere Stückchen. In den ersten Wochen fühlte er eine große Schwäche, welche sich aber immer nach neuer Einnahme wieder verlor. Nur einmal, als er ein etwa feldbohnengroßes (!) Stück weißen Arseniks genommen hatte, und zwar nach einem großen Quantum geistiger Getränke fühlte er große Eingenommenheit deS Kopfes. Dieser Arsenikesser verzehrte in Gegenwart deS Arztes an zwei Unzen weißen Arsenik in Stücken von 41/2 bis 51/2 Gran, nachdem er ste mit den Zähnen zerknirscht hatte. Wahrend dem aß er die ihm Vorgesetzten Speisen mit Appetit, na hm viel geistige Getränke zu sich und entfernte sich vollkommen wohl am dritten Tage. ES wird alS eine bekannte Lhatsache erzählt, daß die Pferde bei jahrelangem Arsenikgebrauch fett und muthig werden. Viele Wirthe in Steiermark können es nicht verhüten, daß ihre Diener den Pferden heimlich Arsenik aus ' s Futter streuen. Ueber die enorme Menge Arsenik, welche ein Pferd ohne nachtheilige Wirkung vertragen kann, gibt ein direct angestellter Versuch der Thierarzneianstalt zu Gratz Ausschluß. Ein vierjähriges Pferd erhielt in dem Zeitraum von 23 Tagen in steigenden Gaben, die am ersten Tage mit fünf Gran begannen und mit hundert Gran am letzten Tage endeten, fünfhundertfünfundzwanzig Gran, das ist über zwei Loth. Ja dieses Pferd, welches eigentlich wegen unheilbarer Fisteln geopfert werden durfte, wurde durch diese Probe fast ganz gesund, indem die Fisteln meistens heilten. Gegenüber solchen Thatsachen dürften unsere bisherigen Ansichten über giftige Wirkung des Arseniks beinahe etwas erschüttert werden. Wenn ein Mensch wirklich bohnengroße Stücke Arsenik verträgt, wie dringend muß ein solches Factum unS zur höchsten Vorsicht bei gerichtlichen Untersuchungen, welche kaum bemerkbare Spuren als Grund deS Todes bezeichnen, in der Beurtheilung eines Giftmordes auffordern! Wer kann es wissen, ob nicht heimliche Arsenikesser auch außer Steiermark häufiger verbreitet sind, als man glaubt? Sollte die anerkannte Wirkung fortgesetzten Arsenikgenuffeö auf Fettbildung und glatte, frische Haut nicht etwa gar schon das schöne Geschlecht hin und wieder verführt haben, von den ehrlichen steirischen Aelplern Toilettenkünste zu erlernen? Wir fügen diesen intereffanten Erörterungen Vogel ' s hinzu, daß unS selbst mehrmals in den Alpen versichert worden ist, eS gäbe Frauenspersonen, die, um alS ältere Jungfern noch annehmbar zu bleiben und unter die Haube zu kommen, dem Arsenikgenuß ergeben seien In der That soll derselbe nicht nur den Körper jugendlich und voll erhalten, sondern auch den Wangen eine blühende Farbe geben. Ferner stimmen Oekonomen und Metzger darin überein, daß der Arsenik den Schweinen zwar viel Fett, Fleisch und ein gutes Aeußere gibt, aber die so gewonnene Fülle dem Gewicht nach geringer ist, als eine durch gewöhnliche, gute Mast erreichte. Ferner wäre wissenschaftlich die Wirkung deS Arseniks vergleichend zu berücksichtigen, welche derselbe in der Homöopathie hat, und endlich sollten nicht schon im vorigen Jahrhundert anerkannt alt gewordene und jugendlich gebliebene Personen, die sich mit Lebenseliriren beschäftigten, wie zum Beispiel ver wahrscheinlich aus Oesterreich stammende Graf St. Germain, das Geheimniß des Arsenikeffens gekannt und es mit besserem wissenschaftlichen Calcul benutzt haben? Ja, ließen sich nicht jene Erfahrungen durch Versuche und chemische Schlußfolgerungen regeln und zum Wohl der Menschheit verwenden? Sind doch viele unserer medicinischen Heilmittel nichts als Gifte in kleinen und größeren Dosen, und wo ist überhaupt der Begriff, Gift " zu begrenzen?
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. April 1865, S. 14, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1564-unerwartete-wirkungen-des-arsenikgebrauchs-bei-mensch-und-tier-1865).
Im Laufe der nächsten Woche sehen wir den einbeinigen Tänzer CHarle« Bernard, welcher vor mehreren Wochen erst in Pari« mit außerordentlichem Beifall Produktionen gab, und der gegenwärtig eine Rundreise durch Deutschland …
AuS Anlaß des allgemein überhandnchmenden UebelstandeS, daß Singvögel selbst zur Brutzeit eingefangen und deren Eier auS den Nestern genommen werden, fand der Stadtmagistrat in Folge hohen k. k. Statthalterei - AuftrageS …
984 Jahren. Derselbe hieß Sebastian Anzinger, widmete sich in seiner Jugend der Natur und Sprachenkunde, bereiste Europa, Amerika und Afrika, wurde in Trapezunt gefangen, und mußte als Sklave in Jömacl Pascha ' S Garten …
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