Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HUND IM WAFFENSCHEIN

Ursprung des Sprichworts „Da liegt der Hund begraben“ aus Nürnberg

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 14. Oktober 1865 · Seite 16 · #Sprüche und Inschriften
Man führt im gewöhnlichen Leben so manche Redensart im Munde, von der die Meisten gar nicht wissen, woher sie stammt. So z. B. „ Da liegt der Hund begraben. " Der Geburtsort „ dieses todten HundeS " ist Nürnberg. Als Nürnberg noch als freie deutsche Reichsstadt durch seinen Handel und Kunststeiß einen gewissen Weltruf besaß, wurde daS dorr noch zur heutigen Stunde prangende Rathhaus nach einem großen und kostspieligen Plane erbaut. Der Bau währte mehrere Jahre; man klebte aber nicht, wie gegenwärtig in Berlin, äußerlich glänzende Häuser, die oft über Nacht auf den Einfall kommen, wieder einzustürzen, zusammen, sondern man baute solide. So auch das Nürnberger RathhauS. Als dasselbe bis auf einen, den letzten Flügel fertig war, fehlte eS aber dem Stadtsäckel an den nöthigen Goldgulden, um die Kosten nach dem entworfenen Plane zu bestreiten. Nun war guter Rath theuer. Man beschloß endlich, den noch fehlenden Theil des Gebäudes nur aus Fachwerk herzustellen; und so geschah eS. Der Baumeister führte in seinem Wappen und Petschaft einen Hund; diesen verewigte er dadurch, daß er über die letzte massive gothische Thüre die nach dem nur leicht und wohlfeil gebauten Flügel führt, seinen Hund in Stein gemeißelt anbrachte. Daher in der Folge das Sprüchwort: „ Da ist der Hund begraben, " welches andeuten soll, daß man in einer angefangenen Sache nicht weiter gehen könne, weil unübersteigliche Hindernisse eingetreten seien.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Oktober 1865, S. 16, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1642-ursprung-des-sprichworts-da-liegt-der-hund-begraben-aus-nuernberg-1865).

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