791 Ueberwältigt von dem Eindruck, den das gestrige Schützenfest auf uns gemacht hat, vermögen wir kaum, von demselben auch nur eine annähernde Beschreibung zu liefern. Hatte der Himmel mit Regen gedroht, so war diese Drohung doch mit Schlag 11 Uhr — dem Beginne des Festzuges — wieder annullirt, und der riesige Zug konnte sich ungestört entfalten. Seine kaiserl. Hoheit der allgeliebte Schützenfreund Erzherzog Johann geruhten aus einem Fenster höchstihres Absteigquartiers im Gasthofe zur » goldenen Sonne " das Vorüberziehen des Zuges anzusehen und wurden von jeder einzelnen Abtheilung mit begeisterten Lebehochrufen begrüßt. Hinsichtlich des Zuges selbst müssen wir auf das in unserer letzten Nummer enthaltene Programm verweisen, welches in beßter Möglichkeit eingehalten wurde. Der Zug reichte in seiner ersten Aufstellung, vier Mann hoch, vom Landhause in der Neustadt bis hinauf zu den letzten Häusern in Wilten, und bewegte sich dann unter den Klängen von 12 Musikbanden und dem fröhlichen Gesänge der 60 Sänger zählenden Liedertafel herab bis zur k. k. Hofburg, wo die einzelnen Abtheilungen von Sr. k. k. Hoheit und Sr. Ercellenz dem Hrn. k. k. Statthalter besichtigt zu werden die Ehre hatten. Um dem Zuge mehr Raum zu gewinnen, wurde theilweise vom Wege des Programms abgewichen und bewegte sich daun derselbe zur Freude der betreffenden Einwohner vom Rennplatz aus durch die Universitäts und obere Sillgaffe in die Museumsstraße, und von der Hauptwache dann über den Ursulinergraben und die Jnnbrücke nach Mariahilf zur k. k. Landeshauptschießstätte, wo derselbe ein dreiseitiges Massenquarre formirte, während die Liedertafel, auf die südliche Aufgangs- Treppe postirt, die in unserer letzten Nummer angedeuteten Schützenlieder und bei Ankunft seiner k. k. Hoheit und Sr. Ercellenz des Herrn k. k. Statthalters Grafen von Bissingen - Nippenburg die Volkshymne unter Begleitung der Musik des Innsbrucker städt. Schützenbataillons sang. Von der Estrade dieser Doppeltreppe herab hielt der Herr Oberschützenmeister Dr. von Klebelsberg an die versammelten hochwerthen Schützengäste aus Nah und Fern eine gediegene kräftige Ansprache voll edler Begeisterung und Patriotismus und dankte denselben vor Allem für die Bereitwilligkeit, mit der die Schützenbrüdcr aus den fernsten Gegenden des Landes Tirol und Vorarlberg herbeigekommen um des Kaisers Schießen zu feiern wie es gefeiert werden soll — als ein vollkommenes allgemeines Nationalfest. Nach Nach Beendigung dieser Ansprache erfüllte mit dem Donner der zahllosen Geschütze vieltausendstimmiges Lebehochrufen die Lüfte für II. MM.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 29. Mai 1855, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/179-schuetzenzug-durch-innsbruck-und-ansprache-des-1855).
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1132 Wunsch des Landes und unserer Kroulandshauptstadt in nicht zu ferner Zeit Erfüllung finden, und ein Mitglied des allerhöchsten Kaiserhauses Höchstseine Residenz zeitweilig in Innsbrucks kaiserlicher Hofburg aufzusch …
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