2646 Allein schon wenige Tage nach Veröffentlichung des Friedensschlusses tauchten Gerüchte auf, welche bald den italienischen Landestheil, bald alles Land bis auf die Höhe des Brenners als ein Gebiet bezeichneten, welches an das neue Königreich Italien abgetreten werden sollte. Diese Gerüchte wurden geglaubt und weiter verbreitet; sie gingen von Mund zu Mund, und erhielten immer größere Bestimmtheit. Der Vertreter der Landesregierung hat zwar über die von dem treugehorsamsten Landtage sogleich gestellte Anfrage alle Angaben dieser Art als unglaubwürdige Erfindungen erklärt, und gegen die Ruhestörer kräftige Maßregeln in Aussicht gestellt; — die Beruhigung ist aber deßhalb nicht zurückgekehrt; vielmehr hat das offene und rührige Auftreten der revolutionären Partei gerade in der letzten Zeit die Besorgniß noch vermehrt. Eure Majestät! das treue Volk von Tirol ist in dem Jahre, das jetzt zu Ende geht, mit opferfreudigem Muthe dem Rufe seines Kaisers gefolgt, um die Gränzen der Heimat zu vertheidigen, und die italienische Bevölkernng Südtirols ist an Treue, Opferwilligkeit und Hingebung nicht hinter den deutschen Brüdern zurückgeblieben; alle haben sich ihrer Väter würdig gezeigt, eingedenk des alttirolischen Wahlspruchs: „ Für Gott, Kaiser und Vaterland! " Und diese Bevölkerung, insbesondere jene des südlichen Theiles wird durch wenige entartete, der Umsturzpartei verfallene Menschen, welche vom Auslande unterstützt werden, in ihrer Ruhe gestört, und in dem Vertrauen auf die Zukunft erschüttert; alle Künste der Bosheit werden angewendct, um die bevorstehende Zerreißung des Landes und die Abtrennung des südlichen Theiles glaublich zu machen, und ein tiefes Mißtrauen geht durch das ganze Land. Der treugehorsamste Landtag fühlt sich verpflichtet, dem von ihm vertretenen Lande die volle Beruhigung wieder zu verschaffen, und in altgewohntem Vertrauen glaubt er keinen geraderen Weg zum Ziele gehen zu können, als indem er sich an Euer Majestät in tiefster Ehrfurcht mit der Bitte wendet: es wolle Euer Majestät gefallen, Allerhöchst persönlich zu erklären, daß die gefürstete Grafschaft Tirol in ihren, gegenwärtigen Bestände in voller Integrität für immer ungetheilt erhalten bleibe. Derselbe Jubel, der durch das Land erscholl, als Euer Majestät am 17. Juli d. I. das treue Volk zum Schutze des heimatlichen Herdes und der alten Rechte zu den Waffen rief, derselbe Jubel wird wieder erschallen, wenn Euer Majestät vor ganz Europa zu erklären geruhen: „ Das Land Tirol ist mein, und mein wird es immer ungeschmälert bleiben. " Süd und Nordtirol werden mit vereinten Kräften dafür einstehcn, und mit Gut und Blut die Einheit des Landes vertreten. Der treugehorsamste Landtag erlaubt fick aber, von dieser untcrthänigstcn Bitte Anlaß zu nehmen, um das Augenmerk Eurer Majestät ehrfurchtsvollst auch auf die Eigenthümlichkeiten des Landes und auf die innern Bedingungen seiner Einheit zu lenken, von denen für alle Zukunft die Erhaltung seiner Kraft abhängt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 21. Dezember 1866, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1853-der-landtag-bittet-um-allerhoechste-erklaerung-zur-1866).
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