Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TIROL 100 PROZENT – KÄRNTE 36

Wählerbeteiligung an den Landtagswahlen in den Kronländern der Reichshälfte

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 23. Mai 1867 · Seite 4 · #Landtagswahlen
1100 Pie Wetheiligung an den jüngsten Landtagswahlen. Die kais. königl. Central - Commission für Statistik veröffentlicht in einer tabellarischen Uebersicht verschiedene Daten über die Wahlen, welche im Jahre 1867 für die zweite Periode der Landtage der diesseitigen ReichShälfte ftattgefunden haben. Daraus entnehmen wir, welcher Bruchtheil der wahlfähigen Bevölkerung in den einzelnen Kronländer und Wahlgruppen daS verfassungsmäßige Recht, beziehungsweise eine hochwichtige staatsbürgerliche Pflicht erfüllt hat. Was zuerst den Großgrundbesitz betrifft, so war die Betheiligung in dieser Wahlgruppe am lebhaftesten in Böhmen, am geringsten in Krain; dort haben 92, hier nur 46 von 10 i) Wahlberechtigten ihre Pflicht erfüllt. Böhmen zunächst stehen Nieder und Oberösterreich mit 87 Percent, dann folgt Steiermark mit 86, Mähren mit 85 und Bukowina mit 80 Percent. Bon den Großgrundbesitzern in Salzburg und den Höchstbesteuerten in Dalmatien übten 79 Percent ihr Wahlrecht auS, in Kärnten 75 Percent, in Schlesien 66 Percent, in Tirol und Galizien 61 Percent, in Istrien 56 Percent und in Görz 53 Percent, hinter dem nur noch Krain zurückblieb. Eine andere Reihenfolge der Provinzen erhalten wir, wenn wir die Betheiligung der städtischen Wählerschaft vergleichen. Relativ am meisten Interesse und Lebhaftigkeit zeigten merkwürdigerweise noch die Bürger von Tirol, wo 69 von hundertWahlberechtigten zur Urne gingen; am größten war die Lethargie in Kärnten und Istrien, wo nur 36 von 100 wählten. Nächst Tirol war die Betheiligung am stärksten in Krain mit 67 Percent; diesem folgten Salzburg ( 60), Mähren (59), Görz ( 54), Vorarlberg ( 52), Lberösterreich und Dalmatien ( 51t, Steiermark, Böhmen und Schlesien ( je 47). Hinter allen diesen Provinzen steht Nicderösterreich mit der Reichshauplstadt Wien; in einer Zeit die für Alle bedeutungsvoller ist, als irgend eine Periode cs war, haben in Wien von hundert wahlberechtigten, also auch wahlpflichtigen Bürgern nicht mehr als 43 wirklich gewühlt!!! Nur Kärnten und Istrien zeigten eine noch größere Indolenz als Niederösterreich, und mit Niedcröstcrreich auf gleichtiefer Stufe stand nur das Nachbarland Rußlands die Bukowina. Von den Mitgliedern der Handels und Gewerbekammern war vorauszusetzen, daß sie Vcrständniß und Energie genug besitzen, um ohne Ausnahme ihrer conftitutionellen Aufgabe zu entsprechen. Aber nur eine einzige Provinz findet sich unter allen, wo die Betheiligung volle hundert Percenl beträgt; es ist das Nachbarländchen der Schweiz, Vorarlberg, dessen Landtag schon einmal durch seine entschieden freisinnige Majorität und deren feste Haltung die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nächst Vorarlberg zeigten die Mitglieder der Tiroler Handelskammern die größte Regsamkeit mit 94 Percent, dann folgen der Reihe nach: Bukowina ( 93), Niederösterreich ( 91), Kärnten ( 87), Salzburg ( 84), Schlesien ( 80), Mähren, (78), Obcrösterrerch, Kram und Görz ( je 73), Galizien ( 70), Dalmatien ( 69), Istrien ( 67). Im induflriereichen Böhmen nahmen bloS 65 Percent an der Wahl Theil! Am lauesten war Stcicmark, wo nur 44 Percent ihr Wahlrecht auSübten! Bezüglich der Wahlen in den Landgemeinden fehlt in der Tabelle, wie gesagt, die Angabe über die Betheiligung an den Urwahlen. Daß die „ Wahlmänner ", nachdem sie das Mandat zu den direkten Wahlen angenommen, vollzählig an der Urne erscheinen werden, sollte sich wohl von selbst verstehen. Doch finden wir auch hierin, und zwar verhältnißmäßig hohe Ziffern saumseliger
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 23. Mai 1867, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1936-waehlerbeteiligung-an-den-landtagswahlen-in-den-kronlaendern-der-1867).

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