Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TRAUER UM DEN KAI SER AUS MEXIKO

Trauer um den erschossenen Kaiser Maximilian – Empörung in Österreich und Europa

Sonntag 7.: Willibald. Maximilian. In Wien und anderen Orken wurde bereits Hoftrauer angeordnet, die schwer betroffene kaiserliche Familie weilt in tiefster Zurückgezogenheit in der Umgebung von Salzburg, öffentliche Feste, die auf diese Zeit angeordnet wurden, unterbleiben und selbst in der Weltstadt an der Seine, wohin jetzt Tausende von Neugierigen auS allen Himmelsgegenden pilgern, um sich Belehrung zu holen oder den Luxus zu bewundern, mit dem der Reichthum in der entsetzlichsten Weise sich breit macht, selbst da ist eine unfreiwillige und sehr unwillkommene Stille eingetreten. Die Botschaft, Kaiser Maximilian ist erschossen, rief überall, wohin sie erklungen, den schmerzvollsten Widerhall hervor. Die öffentlichen Blätter, die Stimmen deS Publikums, widmen den größten Theil ihres Raumes zu dem Zwecke, um diesen Gefühlen deS Schmerzes Ausdruck zu verleihen. Unter den Wiener Blättern widmet die, ,N. F. Presse" dem unglücklichen Kaiser den ergreifendsten Nachruf. Sie schreibt: Der tragische AuSgang dieses Fürsten wird nicht nur in Oesterreich, wo er geboren und großgewachsen ist, einen erschütternden Eindruck Hervorrufen, sondern in allen Theilen Europas, ja weit hinaus über die Grenzen des alten Kontinents, gerade dort, wo er einen neuen Boden der Wirksamkeit gesucht hat, wird dieses Ereigniß eine Sensation erregen, wie kein zweites in den letzten zwei Jahren. Vor allem furchtbar aber wird diese Nachricht an die Pforten der Tuilerien pochen, wo die eigentlichen Urheber dieser großen Tragödie auf goldenen, oder richtiger, auf vergoldeten Thronen sitzen. Die Fackel dieses Leichenopfers wird eine unheimliche Beleuchtung auf jene Hallen werfen, wo man dieses ganze mexikanische Unheil ersonnen und erzwungen hat und nun so schmachvoll untergehen kaffen mußte. Gegner der Todesstrafe, haben wir die grausamen Mittel verdammt, mit welchen die neu napoleonische „ größte Idee " in Mexiko verwirklicht werden sollte; wir verdammen nicht minder die blutigen Repressalien, welche die nun siegreichen Gegner deö Kaiserreiches üben. Die Anerkennung, die wir Juarez' Menschlichkeit auf eine, wir wissen nicht von wem erdichtete Nachricht hin gezollt, wir nehmen sie zurück, und waS auch von den Kaiserlichen in den Tagen deS Sieges gesündigt worden, wir, die wir den Mord in waS immer
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. Juli 1867, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1975-trauer-um-den-erschossenen-kaiser-maximilian-empoerung-in-1867).

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