Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BÄREN UND BETTELUNGEN OHNE ENDE

Dringlicher Antrag gegen Bärentreiber und Vagabundenwesen im Land

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. Juli 1867 · Seite 7
Bürgerausschuß - Litzuug vom 24 Juli. (Anwesend 26 Mitglieder, Vorsitzender Bürgermeister Dr. Franz Rapp.) Nach Eröffnung der Sitzung wurde das Protokoll verlesen und genehmigt. Hierauf erhielt Martin Meyer das Wort und stellte folgenden motivirten DringlichkeitS- Antrag: Es wurde bereits in frühcrn Jahren wegen des Umsichgreifens des BettelwesenS Beschwerde geführt. Seit dem Bestände der städtischen Polizei ist es in der Stadt selbst etwas besser geworden. Auf dem Lande besteht diese Plage noch dermalen wie früher, wo nicht ärger. In neuester Zeit treibt sich ein sehr bedenkliches Gesindel, 32 Bärentreiber herum. Gestern hielt sich ein Theil dieser Bande in der Richtung gegen die „ Gallwiese " hin auf, und es begegneten diese Leute dem Publikum auf eine nicht erbauliche Weise. Die Bestien, welche sie mit sich führen, sind derart abgerichtet, daß sie sich auf eine unangenehme Weise den Vorübergehenden, welche von ihren Führern angebcttelt werden, nähern, so daß man dies füglich als ein Erpressen nennen kann. Er achte das Prinzip der Freizügigkeit und die Gewerbesreiheit, diese Leute treiben aber keine Gewerbe, sondern ein Bettel und Vagabundenwesen. Das Herumziehen dieser Bande ist auch polizeiwidrig; denn wenn so ein Bär einem Fuhrwerke begegnet, kann sehr leicht ein Unglück eintreffen, wie dies im Pusterthale wirklich der Fall war, wo das Pferd beim Anblicke eines solchen ThiereS scheu wurde, und i » Folge dessen eine Frau schwer verletzt wurde. Ebenso sind diese Leute in moralischer Beziehung sehr unanständig, da sie in einer wahrhaft adamitischen Weise herumziehcn. Wenn dieser Umstand auch einem Erwachsenen mehr gleichgiltig sein kann, so ist dies nicht bei der Jugend der Fall. Wenn die hohe Staatsregierung solchen Leuten Pässe ausfolgt, um die ganze Monarchie zu durchstreifen, so soll doch dahin gewirkt werden, daß ihnen der Eintritt in das Land Tirol nicht gestattet werde, daher er den Antrag stelle, „ der große Bürgerausschuß wolle sich im Wege des h. Landesausschuffes bei der k. k. Stalthalterei dahin verwenden, daß derlei Vagabunden der Eintritt in das Land Tirol verwehrt werde. Herr Egger stimmt dem Hrn. Vorredner vollkommen bei und führt an, daß gestern Herr K — von Mühlau nach St Nikolaus ging, und auf diesem Wege solche Bärentreiber in vier Abtheilungen fand. Die erste Bande hatte ihn angebettelt und erhielt auch eine Gabe; den anderen konnte und wollte er nichts mehr geben, wurde aber von denselben umringt, und konnte nur mit Mühe entrinnen. Ein ähnliches Faktum führte Hr. Stotier an. Herr Martin Meyer bemerkt, daß ihm förmliche Erpressungen bekannt sind, besonders auf dem Lande in einzelnen Höfen, daher eine Maßregel, durch welche diesem Unwesen enigegengetreten werden könne, auf dem Lande gewiß freudig begrüßt werden wird. Herr Bürgermeister bemerkt, daß er in dieser Richtung sehr streng vorgehe, den Eintritt von derlei Leuten in den Stadtbezirk nicht gestatte, und aufgegriffenc Vagabunden jederzeit mit Schub befördere. Inden umliegenden Gemeinden jedoch sehe es in dieserBeziehung traurig aus, da dieselben keine Polizei - Organe habe ».
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. Juli 1867, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/1992-dringlicher-antrag-gegen-baerentreiber-und-vagabundenwesen-im-land-1867).

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