Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WILDSCHÜTZENLEBEN IN SECHS FUSS HÖHE

Schicksal eines alten Wildschützen aus Oberleutasch

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. August 1867 · Seite 5 · #Wilderer
(Schicksale eines Wildschützen.) Der „ V. u. Sch - Ztg, " wird aus Oberleutasch, vom 16. ds. geschrieben: Heute verstarb dahier der 97 Jahre alte Urban Oefner, emeritirter Wildschütz, der Welt wenig bekannt, einst aber um so mehr den baierischen Jägern, die jedoch alle schon vor ihm in das Grab gebissen. Von 6 Fuß Höhe und gigantischem Bau schien er für daS Waidwerk geschaffen, und alS daS edle Waidwerk ihm nicht offen stand, suchte er die romantische Schattenseite, daS Wildschützenleben auf, daS durch den Reichthum der baierischen Reviere auf ihn bezaubernd zu wirken schien. In den Jahren 1805 und 1809 betrat Oefner jedoch eine ehrenvolle Bahn, er zog als LandeSvertheidiger in ' S Feld und die Kugeln, die er für Gemsen und Hirsche gegossen, flogen da auf das vogelfreie Wild der Franzosen und deren Verbündete. Glücklich den Gefahren deS Krieges entronnen, fiel er im Jahre 1819 in die Hände seiner Hauptwidersacher. NachtS mit Beute zurückkehrend, wurde er auf der Jfarbrücke bei Mittewald von zwei baierischen Jägern überrascht. Nachdem er einen derselben zu Boden geschlagen, flüchtete er sich, fiel jedoch beim Uebersetzen eines Zaunes und wurde vom zweiten Jäger eingeholt, welcher dem Gefallenen mit dem Waidmcffer eine Sehne am Fuße abschnitt. Auf diese Weise lahm gelegt, war an ein Entkommen nicht mehr zu denken. Oefner wurde nach München gebracht, wo er 4 Jahre im Kerker schmachten mußte. Der kühne Gemsenjäger mußte in einsamer Zelle das Spinnrad treiben und
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. August 1867, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2020-schicksal-eines-alten-wildschuetzen-aus-oberleutasch-1867).

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