Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KEINE MACHT KANN UNS BEWEGEN

18. General-Versammlung der katholischen Vereine in Innsbruck eröffnet

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 9. September 1867 · Seite 5
General - Versammlung der Katholiken - Vereine. Gestern Abends 7 Uhr wurde die General - Versammlung durch die Begrüßung der Gäste im Landhause eröffnet. Dem Eingänge gegenüber war unter dem Bildniß Sr. Majestät deS Kaisers die Redncrbühne angebracht. Der schöne, jedoch für diesen Anlaß zu kleine Saal war von Gästen gefüllt, und glänzend beleuchtet. Herr Landeshauptmann Hofralh Haßlwanter referirte, nachdem er die ehrwürdige Versammlung mit dem landesüblichen Gruße „ Gelobt sei Jesus Christus " begrüßt hatte, wie Innsbruck zu der Ehre kam, die 18. General - Versammlung in seinen Mauer tagen zu sehen. Er konstatirte, daß sie vollkommen auf legalem Boden stehe und hob die Genugthuung hervor, die daS „ viel verhöhnte Volk von Tirol " durch diese Versammlung erfahre. — Herr Bürgermeister Dr. Rapp wiederhohlte den Gruß im Namen der „ kath. Stadt " und gab dem Wunsche Ausdruck, es möchten die hochansehnlichen Gäste der biedern Gesinnung der Bewohner einen Ersatz finden für den Mangel deS äußern Prunkes. Herr Prof. M orig gl, als Präses deS kath. StammvercinS von Tirol, nahm Gruß und Thema seiner vom lebhaften Beifall unterbrochenen Ansprache auS dem bekannten Tiroler - Schützenliede: „Von Berg und Thal herbei, herbei," „ „ Gott grüß ' Euch liebe Brüder! " " Nachdem er den idealen Zweck der kath. Vereine, wie er von hohen Kirchenfürsten denselben vorgezeichnet wurde, dargelegt und das Ziel derselben: „ Durchführung der katholischen Prinzipien in Familie, Schule und Gesellschaft " den schwachen Mitteln gegenüber gestellt hatte, wies er auf den Muth hin, der ihm aus dem Bewußtsein der Verbrüderung und aus der Zuschrift eines hohen Würdenträgers erwachsen sei. Ein Volk, geschaart um seine Kirchenfürsten und von Gott gesegnet, sei eine Phalanx, der keine irdische Macht, ja keine höllische widerstehen könne. Wohl in Bezug auf die Worte eines seiner Vorredner „ Tirol erkenne, daß wir in einer thatenschwangeren Zeit leben ", erklärte der geehrte Herr Professor: „ die Schule müsse christlich bleiben, die Familie katholisch werden, Handel und Verkehr sich bekehren und die Presse getauft werden. " Um Mißverständnissen vorzubeugen, fügte er bei, daß er, wenn er von Christen spreche, nur die katholischen Christen meine, denn für ihn gebe eS keine anderen. Treffend fand das Publikum auch die Rechtfertigung, daß Redner die Versammelten als „Brüder begrüßt habe. " „Brüder sind wir, denn wir haben denselben Vater im Himmel, dieselbe Mutter, die katholische Kirche. Wir haben dieselbe Physiognomie, den Glauben und dieselbe Farbe, die Hoffnung, derselbe Pulsschlag durchzuckt uns Alle — die christliche Liebe! " AuS dem klaren und wohlgefügten Vortrag deS Hern. Professors tönte ein gediegenes Erz und stürmischer Beifall belohnte ihm.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. September 1867, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2031-18-general-versammlung-der-katholischen-vereine-in-innsbruck-1867).

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