Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VÖGELFANG MIT BRENNERBANNE

Von welschen Vogelfängern und der Vertilgung nützlicher Sänger in der Umgebung von Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 16. Oktober 1867 · Seite 4
(Uebcr den Unfug des Vögelfangens) schreibt der gestrige „ Tir. Bote ": Die Brennerbahn, welche uns schon so manchen Fremden gebracht hat, brachte unS in den jüngsten Tagen auch Gäste aus Südtirol mit Leimruthen, Civette und nöthigem Zubehör reichlichst auSgestattet. Diese Herren haben einen VertilgungSzug gegen Rothkehlchen und andere ähnliche Sänger in der Umgegend von Hall und im Gnadenwalde unternommen. Auch in der Umgebung von Innsbruck wurden Welschtiroler beobachtet, welche daS Vergnügen der Vögelvertilgung im Großen betrieben. — Das ginge unS noch ab, daß unsere ohnehin nicht vögelreichen Wälder das Stelldichein der Vogelfänger von jenseits des Brenners werden. Wir haben Vogelsteller schon selbst genug dahier, und brauchen dazu wahrlich keinen Zuzug über den Brenner. — Von anderer Seite kommt unS folgende Mittheilung zu: Schon mehrmals haben wir uns gewundert, daß auf unferm Marktplatze so viele tobte Rothkehlchen, Rothschwänzchen und andere Vögel, welche durch die Vertilgung von Insekten für die Landwirthschaft von höchster Wichtigkeit find, feilgeboten werden. Wir haben daS bedauert. Nun erfahren wir, daß Herren aus Südtirol bereits die Eisenbahn benützen, um berauszufahren und hier in der Nähe von Innsbruck die nützlichen Vögel abzufangen. Ein solcher Mensch mit der Civette auf der Stange und einem welschen Arbeiter, der einen Korb voll Leimruthen trug, begegnete erst neulich einem Herrn auf dem Schönberg Wir fordern natürlich unsere Bauern nicht auf, besagte Mörder nützlicher Vögel mit einer tüchtigen Tracht Prügel heimzusenden, wohl aber möchten wir fragen, ob es denn gar kein Mittel gibt, diesem gemeinschädlichen Treiben Einhalt zu thun. Was nützen alle Feldpredigten des trefflichen Trient!, dem selbst der berühmte Chemiker Liebig volle Anerkennung zollt; wenn man in Praxi so wirthschaftet? Gewisse Arten von Vögeln soll man zu keiner Jahreszeit fangen dürfen, hier kann nur die strengste Marktpolizei, wobei nicht nur der Verkäufer, sondern auch der Käufer unnachsichtlich zu strafen wäre, helfen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 16. Oktober 1867, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2047-von-welschen-vogelfaengern-und-der-vertilgung-nuetzlicher-saenger-1867).

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