Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KOTH-CHARME BEI DER BAUHILFE

Vorhaben zu Beseitigung der Kothschäden in der St. NikolauSgasse durch Anlegung eines Trottoirs

Es steht zu erwarten, daß die letzte Spur jener Eigenthümlichkeit, welche die Gemeinde St. Nikolaus fast weltberühmt gemacht hat, endlich auch durch Anlegung eines Trottoir verschwindet. Obige Gemeinde hat vor Jahren schon die Anlage der Ritschen erkämpft, in welche nun wenigstens die „ Lacken " abfließen, aber der „ Koth " ist leider noch geblieben. Er schimmert golden wieder im Gaslicht glänzender Kandelaber, und umschlingt wie trautbekannter alter Freund durch alle Gassen dcS neuen Schulhauses stolze Pracht sowohl wie auch die Privatbauten, welche im löbl. Streben den Stadttheil zu heben, entstanden sind. Doch bieten sie oft nur Eilande, welche eine kühne Phantasie mit Venedig zu vergleichen geruhte. Aber kein Gondolier geleitet den versinkenden Wanderer, denn nur der Steuertreiber kommt von der terra, firma zu ihnen gesendet, zum Zeichen, daß man ihrer noch gedenkt. Eö wurden wohl Versuche gemacht, und zwar mittelst Aufschotterung, einen Theil der Gasse gangbar zu machen. Aber für ' S erste war der Schotter zu erdhaltig, und für ' S andere erhöht er den Gangsteig derart, daß im Winter, wo sich darauf noch die Eiskruste bildet, bei den Durchlässen der Ritschen, welche natürlich in der alten Höhe geblieben, ein Schuh hoher Fall entsteht. Das veranlaßte nicht unerhebliche Verletzungen, und namentlich ist zu erwähnen, daß sich sogar ein städtischer Aufseher an einer solchen Stelle den Fuß gebrochen hat. DaS Bedürfniß eines Trottoirs ist also begründet, und hat jetzt die günstigsten Chancen zur Verwirklichung / da ein Beteiligter allein 500 fl. bietet für die S erstellung eines 3 Schuh breiten Trottoirs in der St. NikolauSgasse ( eine trecke von 130 Klaftern), vom Brindl bis zur Kirche. UeberdieS hat Herr Baumeister Mayr sich erboten, einen Schuh breiten und tiefen Leistenstein um einen bedeutend herabgesetzten Preis beizustellen, so daß, wenn man noch 2 Schuh breite sogenannte Brennerplatten dazu verwenden würde, das ganze nöthige Material gegen 700 fl. zu stehen kommt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. März 1868, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2111-vorhaben-zu-beseitigung-der-kothschaeden-in-der-st-nikolausgasse-1868).

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