Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SCHÜTZENZUG MIT FESTBANKETT

Fahnenübergabe des deutschen Schützenbundes in feierlicher Zeremonie am 26. Juli

Portiunkula Ablaß. Wer Schützenkestzng und das Festbankett am 26. Juli. (Schluß.) Als der Zug am Schwarzenbergplatze bis zu jener Abtheilung vorbeimarschirt war, in welcher sich daS Preßcomitö, die Mitglieder des Vorstandes des deutschen SchützenbundcS und desCentral - Festcomits ' S befanden, wurde Halt gemacht. Nun ging die Ceremonie der Fahnenübergabe vor sich. Der Präsident des Central- Comitö ' S, Dr. Eduard Kopp, schritt an der Seite des Vicepräsidenten des Schützenbundes, Herrn Senator Schröder aus Bremen und gefolgt von den Mitgliedern deS zuletzt genannten Comits ' S dem Festzelte zu, vor welchem der Wiener Gemeinderath, der Bürgermeister Dr. Zelinka an der Spitze, den Festzug erwartete. Die Fahnen des Schützenbundes, deren Ehrenwache eine Abtheilung Bremer Schützen bildeten, wurden den vorantretenden Herren nachgetraaen. Dr. Kopp trat auf den Bürgermeister zu, um in wenigen Worten sowohl ihm als dem gesammten Gemeinderathe Herrn Senator Schröder als den Sprecher des deutschen Schützenbundes vorzustellen. Herr Senator Schröder richtete hierauf an den Bürgermeister und Gemeinderath von Wien eine Ansprache, welche vom Bürgermeister Zelinka erwiedert wurde. Nachdem Dr. Zelinka unter lebhaften Hoch ' S, die seine ganz trefflich gefaßte Rede begleiteten, geschlossen hatte, intonirte der im Halbkreis vor dem Gemeinderath ausgestellte niederösterreichische Sängerbund unter der Leitung des Chormeisters Mair das „ Wcihelied " von Methfeffel, worauf sich der Zug wieder in Bewegung setzen sollte Wir müssen hier nachtragen, daß der stumme Held dieses Schauspiels, das riesige Schützen - Bundesbanner, während der ganzen Scene fast unbeachtet blieb. DaS Gedränge um die sprechenden und handelnden Personen war ein derartiges, daß sich zwischen diesen Personen und daS Banner ein Menschenschwall bineinschob, welcher den Festzug außer Rand und Band zu bringen drohte. DaS BundeSbanner, welche so kolossale Dimensionen hat, daß es weder in Frankfurt noch in Bremen im Zuge mitgetragen werden konnte, wurde auf einem eigens dazu hergerichteten städtischen Wagen, der mit Blumen und Fahnen geschmackvoll dekorirt war, senkrecht auswärts stehend befestigt und nach geschlossenem Ceremoniell, umgeben von Bremer und Schweizer Schützen, im Zuge mitgeführt. Bis es aber dazu kam, verging eine geraume Zeit.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Juli 1868, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2176-fahnenuebergabe-des-deutschen-schuetzenbundes-in-feierlicher-1868).

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