Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FEUERWEHR IN DER KRISE

Zurückgang der Freiwilligen Feuerwehr bei Übung am 23. October

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 29. Oktober 1868 · Seite 4 · #Feuerwehr Innsbruck
2348 als der Spritzen - Abtheilung. Die Kommando wurden pünktlich und schnell auSgeführt, und eS „ klappte " sozusagen ziemlich. Bei dieser Gelegenheit haben wir bemerkt, daß die Anzahl der Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr gegen die früheren Jahre um die Hälfte geringer ist. Es waren gestern höchstens 80 Mitglieder anwesend, während vor drei bis vier Jahren die gcsammte Feuerwehr 160 Mitglieder zähite! Worin liegt die Ursache dieser Minderzahl! Sollte denn der Eifer dafür und die Betheiligung minder geworden ' sein, als in vergangenen Jahren? Vor einigen Jahren wissen wir, daß sich stets eine Menge um Aufnahme zur Feuerwehr beworben haben, so daß man Kräfte für die RettungSabtheilung und für die Spritzenmannschaft nach Auswahl hatte. Sollte dies nicht mehr der Fall fein? Was ist der Grund der mangelhaften Bethciligung? Wir glauben nicht, daß es an Aufmunterung von Seiten der resp. Vorstände fehle, wir glauben nicht, daß eS am kameradschäftlichen Benehmen der einzelnen Mitglieder oder der einzelnen Anführer fehle. Sollte vielleicht die heillose Konfusion beim letzten großen Brande neben der Prügelbaukaserne so abschreckend gewirkt haben, und die unverdiente üble Nachrede, die damals der Feuerwehr zu Theil wurde. Wir glauben, daß gerade diese Affaire viel beigetragen habe, an der Verringerung unserer Feuerwehr. ES war bei diesem Brande derselbe Uebelstand nur in noch potcnzirterem Maße als bei anderen Bränden, der daran Schuld trug, daß unsere Feuerwehr nicht zur Geltung gelangen konnte, und dieser Uebelstand wird noch so lange dauern, bevor es nicht soweit kommt, daß um die Brandstätte von Militär oder von der Feuerwehr selbst ein Cordon gebildet wird, und in diesen KrUS nur durch Abzeichen Berechtigte außer der Feuerwehr hineingehen dürfen. Do lange dieS nicht geschieht, wird eS unmöglich sein, bei einem Brande nur halbwegS Ordnung zu erhalten, da sich stets eine Menge Unberufener und spektakelmachendcr Leute eindrängen wird. ES machen die Bemannungen mancher alten städtischen Spkitzcn schon als Berufene einen heillosen Spektakel und jeder schreit und will eS besser wissen und dazu kommen noch die hundert Unberufenen, von denen jeder Commandant sein will. Bei solchen Umständen genügt die gewöhnliche Anzahl der Feuerwehrmannschaft nicht, um mit einer Ordnung durchzudringcn und eS ist dann hievon nur die Folge, daß alle confusen Streiche der Feuerwehr zugeschrieben werden. So lange aber diesem Uebelstande nicht abgeholfen wird, kann im Falle eines Brandes von einem exakten Arbeiten der Feuerwehr keine Rede fein.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 29. Oktober 1868, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2212-zurueckgang-der-freiwilligen-feuerwehr-bei-uebung-am-23-october-1868).

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