(Gilm ' s Leichenfeier.) Nachdem am Dienstage mit dem Abendzuge der Sarg mit den Resten Hermanns v. Gilm angekommen war, wurde er in der Landhauskapelle, die vom Herrn Landeshauptmann bereitwilligst zur Verfügung gestellt war, aufgebahrt, und geschmackvoll mit grünenden Gewächsen umgeben. Der Sarg war mit Kränzen übersäet, welche von dem aus in Oberösterreich lebenden Tirolern gebildeten Vereine: „ Der tirolisch oberösterreichische Landtag" und vom Linzer literarischen Vereine die „ NamenSlosen " gespendet waren. Sehr sinnreich war auf einem Bande, der vom erstem Vereine gespendeten Kränze folgende Strophe aus Gilms Gedichten angebracht: „Doch lieg ' ich einst ein müder Schwan, Die Flügel ausgerissen, So geh ' und zieh ' das Glöcklein an, Und thu ' s der Welt zu wissen. " Gestern morgens wurde vom Bruder deS Dichters vor dem Sarge eine heilige Messe gelesen, die Kapelle war den ganzen Tag dem Zutritte deS Publikums geöffnet. Abends um halb 6 Uhr versammelte sich im Hofe deS Landhauses das Comitö nebst vielen Honoratioren, worunter wir den Herrn Landeshauptmann, FML. Freiherrn v. Mollinari, General Thun, Oberst Montluisant und den Bürgermeister bemerkten. Fackelträger bildeten im geräumigen Hofe einen weiten Kreis, in dessen Mitte der Sarg aus der Kapelle herausgetragen wurde, wo der Vorstand deS ComitöS Herr Statthaltereirath Ritter v. Barth eine Ansprache hielt, nach welcher der Sarg, begleitet von Fackelträgern in den vor dem Landhause harrenden, mit Blumengewinden und einer goldenen Leier dckorirten Leichenwagen gebracht wurde, an den 4 stattliche Rappen mit schwarzem Aufputze, gespannt waren. Vor dem Landhause hatte sich indeß die Liedertafel mit verhüllter Fahne und der akademische Gesangsverein, sowie die Musik des Regiments Rainer, nebst einer großen Anzahl von Fackelträgern ( Schüler des ObergymnafiumS) aufgestellt. Unter den Klängen eines Trauermarsches bewegte sich der Zug langsam durch die Neustadt, und nach einem kurzen Halt vor der beleuchteten Büste am Geburtshaus « des Dichters, wo ein Chor abgesungen wurde, begleitet von einer großen Menschenmenge hinaus bis zur Johanneskirche. Dort wurde die Einsegnung der Ueberreste von einem Pfarrgeistlichen vorgenommen. Nach dieser Funktion wurden von der Liedertafel und dem akademischen GesangSvereine zwei Chöre meisterhaft gesungen, von denen der eine eine Composition des Freiherrn von Tschiderer und der andere von Aalliwoda war, welch ' letzterer ein von Ritter ». Schülern gedichtetes Lied untergelegt wurde. Zwischen beiden Chören trug die Mustkbande mit gewohnter Meisterschaft ein entsprechendes Tonwerk vor. Hierauf setzte sich der Zug auf den Friedhof in Bewegung, wo der Sarg in dem vom Bürgerausschuffe zur Verfügung gestelltem Grabe, im ersten Felde links vom Eingänge, beigesetzt wurde. (Oeffentlicher Dank!) Allen, welche die gestrige Feier der Bestattung deS Dichters Hermann v.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. Dezember 1868, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2235-leichenfeier-fuer-hermann-v-gilm-mit-trauerzug-und-choraelen-in-der-1868).
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