Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GRABSTEIN UND GRABLEGUNG IM ABRUSSKAMPF

Entdeckung eines alten Grabdenkmals mit künstlerisch wertvoller Wandmalerei in einer Innsbrucker Kapelle

384 Jahre vorangegangen war; sie starb nach der Inschrift, die zum Theile aber unter der Erde steckt „ am Freytag nach Erhardi anno domini 1506 Jar ". Auch die kleinen Seitenflächen oben und unten tragen Sculpturen und Inschriften, sind aber beinahe ganz in der Erde verborgen. Ueber diesen Grabstein ist an der Wand ein überaus zierliches Täfelchen aus gegossenem Metaü im Renaissance- Styl angebracht. In der Milte desselben befinden sich beider Wappen und am Fuße ist folgende Inschrift zn lesen: „ Mathias Ruinier. Tyser. Kapellen- Stister. Und. Agatha Costentzerin. Sin. Hausfrau. Anno 1515. " Auf der Tafel standen einst zwei Figürchen, man sieht nur noch den untersten Theil der Füße, sie müssen nach demselben zu schließen, trefflich gegossen gewesen sein. Neben dieser Tafel sind al fresco der Stifter und seine Frau in kniender Stellung abgebildet, leider aber deren Köpfe muthwilligerweise bis zur Unkenntlichkeit verkratzt. Ueber diesem Täfelchen und den beiden Porträts nimmt den ganzen Raum der Hinterwand eine meisterhaft gemalte Grablegung Christi ein. Das große Bild ist verhältnißmäßig noch gut erhalten. ES wäre Schade, wenn für die Uebertragung dieses Denkmales auf den neuen Friedhof nicht Sorge getragen und daS Bild beim Abbruch der Kapelle zu Grunde gehen würde. Schreiber dieser Zeilen, der durch dieselben die Aufmerksamkeit auf dieses seines Wissens älteste Grabdenkmal der Stadt lenken möchte, hält dafür, daß das Bild immerhin die Kosten der Abnahme von der Wand und der nöthigen Restauration werth ist; eS ist ihm auch keine ältere Wandmalerei von irgendwelcher künstlerischer Bedeutung in Innsbruck bekannt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. Februar 1869, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2268-entdeckung-eines-alten-grabdenkmals-mit-kuenstlerisch-wertvoller-1869).

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