Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
JÄGERLATEIN AM TODTBLATT

Ein Jäger erlegt versehentlich drei Gemsen auf dem Bergpfad

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 30. März 1869 · Seite 5 · #Jagdliche Kuriositäten
(Jägerlatein am Todtbette.) Aus Gnadenwald, 23. März, wird der „Schützenztg. " geschrieben: Jüngst verstarb hierein alter Jäger, der in frühem Jahren als Wilderer allerlei Erlebnisse gehabt hat, von denen eines nun wohl veröffentlicht werden darf, da ihn seine Gegner hinter dem Berge nicht mehr dafür zur Rechenschaft ziehen können. Der Verstorbene erzählte die Geschichte noch vor seinem Tode, also zu einer Zeit, wo man nicht mehr an Jagdlügen denkt, cs gilt also kein Jägerlatein zu sprechen, sondern einfaches Gnadenwalver Deutsch. Eines Tages ging unser nunmehr abgeschiedener Jäger über Berg, um in dem herzoglich Koburg ' schen Jagdbezirke eine Gemse zu schießen. Als er auf der jenseitigen Berglehne seine Umschau im Revier hielt, kam ein Gnadenwalder Schwärzer ( Schmuggler) mit einem Contraband - Pack beladen daher gestiegen. Die gute Freundschaft, die im Allgemeinen zwischen Wilderem und Schmugglern besteht, war bei diesen Zweien noch speziell durch die persönliche Bekanntschaft bestärkt. Der Wilderer bat nun den Schmuggler, ihm in seinem Geschäfte beizustehen, und ihm durch Umgehung einer Gebirgshöhe eine Gemse zu Schuß zu bringen. Der Schmuggler willfuhr der Bitte, legte seine Bürde nieder und machte den ihm vorgezeichneten Weg. Nach halbstündigem Harren bekam der Wilderer richtig eine Gemse, die den Grat erstiegen hatte, in Sicht. Die Entfernung war aber so weit, daß der Schütze Anstand nahm, darauf zu schießen. Da aber keine AuSficht war, daß die Gemse ihm oder er ihr näher kommen konnte, so entschloß er sich, doch auf gut Glück hinüber zu feuern. Auf den Knall stürzte wirklich die Gemse, und der Wilderer beeilte sich, dieselbe in Empfang zu nehmen. Als er aber an Ort und Stelle kam, fand er nicht eine Gemse, sondern drei Gemsen verendet neben einander liegen. Der Wilderer war darüber begreiflicher Weise nicht wenig erstaunt, denn er hatte doch nur eine Gemse gesehen. Bei näherer Untersuchung fand sich nun folgendes Ergebniß. Eine Gemse war durch einen tiefen Streifschuß an der Gehirnschale getroffen, der zweiten ging der Schuß durch Löffel und Licht, der dritten Gemse drang die Kugel durch die Lunge und blieb im Spalte
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. März 1869, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2280-ein-jaeger-erlegt-versehentlich-drei-gemsen-auf-dem-bergpfad-1869).

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