Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
STREIT UM DEN GEMEINDEVERBAND

Diskussion über Aufnahme in den Gemeindeverband und Kritik an zu großer Rigorosität

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 5. Mai 1869 · Seite 5 · #Gemeinderat
Anläßlich zweier vorliegender Gesuche um Aufnahme in den Gemeinde, Verband, die der Magistrat ohne Antrag dem Ausschuß vorgelegt hatte, um Gelegenheit zu geben, sich über die Prinzipien, nach welchen der Ausschuß bei der Aufnahme in den Gemeinde - Verband seither verfahren hatte auszusprechen, ergriff Herr Wilhelm daS Wort und kennzeichnete daS seitherige Vorgehen deS Bürgerausschusses wenn es sich um Aufnahme in den Gemeinde - Verband handelte, als zu rigoros. Innsbruck stünde in dieser Beziehung weit hinter anderen Städten zurück, eS wäre gut, wenn nach etwas liberaleren Prinzipien vorgegangen würde, denn wenn man die Aufnahme in den Gemeinve - Verband erleichtere, so würde dieses wesentlich zur Hebung der gewerblichenThätigkeit beitragen. Herr Zacherle nimmt den Ausschuß gegen den Vorwurf zu großer Strenge in Schutz, er könne sich nicht erinnern, daß ein Fall in den jüngsten Jahren vorgekommen sei, in welchem einem Geschäftömanne die Aufnahme verweigert worden sei. Etwas Anderes sei es allerdings gewesen, wenn allenfalls ausländische Adelige, wie eS auch schon vorgekommen sei, nur in der Absicht um eine StaatSbedienstung in Civil oder Militär zu erhalten, um die Aufnahme eingekommen sind, da sei eine größere Rigorosität am Platze gewesen, da dieselben bald da, bald dort sind und die Stadt von ihnen wenig oder keinen Nutzen habe Herr Wilhelm erwähnt eines unlängst vorgekommenen Falles, daß einem ganz tüchtigen GewerbSmanne die Aufnahme verweigert worden sei. Herr Martin Meyer bemerkt, daß früher eine größere Liberalität eher am Platze gewesen wäre als jetzt, damals seien mit der Aufnahme in den Gemeindeverband wichtige politische Rechte verbunden gewesen, die man schwer Jemanden vorenthalten gekonnt habe, jetzt, da diese politischen Rechte nicht mehr allein an die Gemeinde - Angehörigkeit geknüpft sind, könnte sogar eine größere Strenge gerechtfertigt werden. Er sei nicht dafür die Erwerbung der Gemeindeangehörigkeit grundsätzlich zu erleichtern, da dadurch der Stadt zu leicht große Lasten aufgebürdet werden könnten, jedoch sei er dafür, daß nach reiflicher Erwägung aller Umstände von Fall zu Fall mit nicht allzugroßer Rigorisität vorzugehen sei. — ES wurden hierauf einstimmig die Herren Schneidermeister Stech und Bäckermeister Köchler in den Gemeinde - Verband ausgenommen, gegen Entrichtung einer vom Magistrate zu fixirenden Taxe.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. Mai 1869, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2307-diskussion-ueber-aufnahme-in-den-gemeindeverband-und-kritik-an-zu-1869).

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