Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ERZIEHUNG IM STADTKASSENFALLE

Bedauern über Entziehung der Knaben aus christlicher Erziehung aus Gründen der städtischen Oekonomie

worden war, dem zu Folge die Knaben eine bestimmte Zeit im Hause belassen werden müßten. ES fällt mir auch nicht ein, die Absicht des löbl. Magistrates, Ersparnisse zu machen, nur im Mindesten zu tadeln; ich kann im Gegentheil nur den Wunsch auSsprechen, daß diese auS meinem Hause entfernten Knaben nie in der Folgezeit der Stadt Innsbruck irgend eine Auslage verursachen mögen. — Ader ich bitte, man wolle auch andererseits eS nicht als ungeziemend erachten, wenn ich hiemit mein Bedauern auSdrücke, nach so manchen Opfern, die ich wahrlich nicht im eigenen Interesse gebracht habe, mich so kurz vom löbl. Magistrate abgefertigt zu sehen, und überdies zu wissen, daß aus demselben Grunde städtischer Oekonomie auch die übrigen vom löbl. Magistrate dem Hause zugetheilten Knaben bei sich ergebender Gelegenheit sollen weggenommen werden. Ich bitte sodann, man wolle es nicht als unzukömmlich ansehen, wenn ich mein Bedauern auch darüber auSdrücke, daß Knaben, die bereits ein und zwei Jahre im Handwerke unterwiesen worden und fast als Gesellen arbeiten könnten, neuerdings als Lehrjungen zur Verfügung gestellt werden. — Ich bitte endlich auch darin keine Unzukömmlichkeit erblicken zu wollen, daß ich beabsichtigte und noch beabsichtige, arme verwahrloste Knaben nicht blos für einen einstweiligen Unterstand, bis etwa ein Geschäftsmann aus ihnen Nutzen zu ziehen gedenkt, sondern zur christlichen Erziehung und zur vollständigen Ausbildung in einem der Gesellschaft nützlichen Handwerke in mein HauS aufzunehmen, und daß, da der löbl. Magistrat anderer Absicht zu sein scheint, ich daran denke, auch die andern noch im Hause befindlichen Knaben ihm von freien Stücken zurückzustellen, überzeugt, derjenige auf den ich allein baue, werde wohlthätige Herzen erwecken, die um das Wohl dieser armen Kleinen wahrhaft besorgt, es ermöglichen, daS begonnene Unternehmen — gewiß nicht zum Schaden der Stadt oder des Landes — fortzusetzen. Innsbruck, den 17. Juli 1869.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. Juli 1869, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2359-bedauern-ueber-entziehung-der-knaben-aus-christlicher-erziehung-aus-1869).

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