Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BRUNNENPLAN ÜBER DEM COMITÉ

Neues Projekt für den Margarethenplatzbrunnen vom Dombaumeister Schmidt in Wien

Zahlreiches Erscheinen wäre wünschenswerth. (Das Monument am Margarethenplatz.) Im Schaufenster der Unterberger ' schen Kunsthandlung ist ein neues Projekt für das am Margarethen- Platze zu errichtende Brunnen - Denkmal ausgestellt. ES ist vom berühmten Dom- Baumeister Schmidt in Wien. Ohne vom Comitv, das stch bereits für den G. v Kaler ' schen Entwurf entschieden hatte, dazu aufgesordert worden zu sein, sandte Schmidt, nachdem er den Kaler ' schen Plan zu sehen Gelegenheit gehabt hatte, nachträglich dem Comitö diese Zeichnung ein. Der Schmidt ' sche Brunnen unterscheidet sich vom Kaler ' schen dadurch, daß er in gothischen Formen und viel reicher entworfen ist, welch ' letzterer Umstand jedoch eine bedeutende höhere Summe zur Herstellung beansprucht, eine Summe, die Prof v. Kaler, als er sein Projekt eniwarf, nicht zur Grundlage desselben machen konnte, da das Comitä, damals keine Aussicht hatte, solche Mittel zusammen zu bringen. DaS Comitv ist nun in einer etwas peinlichen Lage. Prof. v. Kaler hat in seinem Projekte daS Möglichste geleistet, was mit den für ein solches Unternehmen immerhin beschränkten Mitteln deS Comitö ' S geleistet werden kann, er mußte die gegebenen Zahlen stets im Auge behalten. DaS Comitö hat beschlossen, den Kaler ' schen Entwürfe zur Ausführung zu bringen; da kommt nun plötzlich der Schmidt ' sche Plan. Dombaumeifter Schmidt gilt in seinem Fache als eine Autorität, einen Plan von einem solchen Mann, wenn die Möglichkeit der Ausführung vorhanden ist, zurückzuweisen, wird daS Comitö vor Mit und Nachwelt schwer verantworten können. Andererseits aber hat in Folge deS früheren Beschlusses daS Comitö gegen Herrn v. Kaler immerhin eine gewisse moralische Verpflichtung eingegangen, über die eS um so weniger souverän hinwegschreitcn kann, noch will, als sich der Künstler in dieser Angelegenheit stets im höchsten Grade uneigennützig gezeigt hat. Wir sind deshalb auf die ferneren Schritte des Comits ' S sehr gespannt. Nicht minder aber als daS Comitö hat daS Publikum, die Stadt Innsbruck und das Land Tirol auch eine moralische Verpflichtung, und zwar dem Denkmale gegenüber. Es find nämlich die bisher zur Erbauung des Brunnens eingelaufenen Beiträge zumeist von den Mitgliedern deS allerhöchsten Kaiserhauses, von anderen Provinzen, auswärtigen Privaten und vom Comitä selbst geflossen. DaS Publikum in Tirol hat zu diesem vaterländischen Unternehmen die Mitwirkung aller dieser 3 Faktoren; sie sind alle drei moralisch verpflichtet ihr Schärflein zu dem Denkmale beizutragen und
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Juli 1869, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2361-neues-projekt-fuer-den-margarethenplatzbrunnen-vom-dombaumeister-1869).

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