Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
PFAHRER BEOBACHTET DEN BAYERN-EINMARSCH

Bericht über die bayerische Einnahme Innsbrucks im Jahre 1809 aus einem Pfarrbrief an den Bischof

Beiträge zur tirol. Kriegsgeschichte 1809. Wir glauben unfern Lesern nichts uninteressantes zu bieten, wenn wir ihnen auS einer uns vorliegenden Sammlung von Aktenstücken und Aufzeichnungen aus dem Kriegsjahre 2 809 einige sehr anziehende Fragmente mittheilen und beginnen mit einem „ Berichte des Pfarrers von Mariahilf an den Bischof von Briren " ( aus der im Dekanatswidum zu Matrei befindlichen Sammlung des Dekans Niedermeier.) Monsignore! Hochdero Verehrtestes vom 25. gegebenes und am 28. Abends richtig empfangenes Schreiben beeile ich mich zu beantworten, insoweit es die hierüber erhaltenen Nachrichten, und eigenen Sinne gestatten. — Nach einem von den Pinzgauern erlittenen Widerstand und Verlust 3 Offiziere nebst manchen Gemeinen, rückte die bayerische Armee beinahe überall unangefochten am 30. Juli Abends ruhig in Innsbruck ein, nachdem die Oesterreicher vermög Convention die Stadt bis 6 Uhr Abends geräumet. Die Stärke der Armee betrug, wie ich aus dem Munde des Marechals selbst hörte 26,000 Mann, einschlüßlich jener Truppe, die über Zirl nach Vorarlberg abgieng. So habe ich es auch aus des Marechals Lefebures Munde selbst, daß er für die Habhaftwerdung des Baron Hormayr 18,000 Livres würde gegeben haben. Die Armee wurde in 3 Lager, auf dem Saggen, auf den Wtldauer Feldern und außer Mariahilf vertheilt, der Herzog bezog die Burg mit dem Generalstabe, die übrigen Generale und Offiziere logirten großenteils in der Stadt. Am 31. wurden alle Gattungen von Waffen, die Uniformsdegen nicht ausgenommen, unter Todesstraff abgefodert. Auf die Aeußerung, daß der Platz bei der Menge von Truppen gar bald an Lebensmitteln erschöpft sein würde, antwortete der Marechal wiederholt: „ ich entwaffne das Land, hebe Geisel aus, und dann gehe ich. " Am 5. Vormittags marschirte plötzlich ein Theil der Armee über den Berg Jsel dem Sandwirth entgegen, so eilig, daß manche nicht mehr zum Mittagessen Zeit fanden. Am 7. wurden in der Nähe des Löwenhauses zwei Bauern aus dem Weerberg in gedrängter Eile todt geschossen. Das Publikum lief häufig zu. Am nämlichen Tage ruckten bei 4,000 Mann über Zirl dem Oberland zu. Am 8. folgte noch eine ansehnliche Abtheilung dahin nach. Am 10. Abends sahen wir die Retirade über den Berg Jsel zurück, die eher einer Flucht gleich sah, denn von Unter dem Berg angefangen bis auf die Anhöhen Innsbrucks wurden die Bayern in ihren Flanken von den Bauern sehr gedrängt, am bösesten ergieng es ihnen bei dem sogenannten Garberbach, und noch übler würde es hergegangen sein, wann die
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Dezember 1869, S. 21, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2432-bericht-ueber-die-bayerische-einnahme-innsbrucks-im-jahre-1809-aus-1869).

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