Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BRÜCKENSTELLE IN DER BALANCE

Zur Frage der neuen Ueberfahrt am linken Inn-Ufer und der Nothbrücke bei der Fleischbank

kürzer, wenn man gleich beim Schulhause auf das andere Ufer gelangt, weil man dann eine direkte Richtung gegen diese Zielpunkte nehmen kann und nicht den Umweg über die weit oben gelegene Brücke machen muß. Die Behauptung, daß es für alle Anderen, welche von St. Nikolaus nach der Stadt gehen, gleich oder besser sei, wenn sie am linken Ufer weiter hinaufgehen müssen, weil sie dort das Trottoir und die Gasbeleuchtung benützen können, ist wirklich merkwürdig, denn bis dato besitzt St. Nikolaus wohl einige spärlich vertheilte Gaslaternen, aber kein Trottoir, ausgenommen längs der Häuserreihe von der Jnnbrücke bis zum städtischen Armenhause; also gerade jenes Stück Weg, welches vom Ende von St. Nikolaus bis zum Strafhause führt hat kein Trottoir, wohl aber ist bei schlechter Witterung dieser Weg meist zum Versinken kothig, während in der englischen Anlage sowohl im Sommer als auch im Winter der Weg sehr gut ist. Zu viel verlangt für die stromaufwärts gelegenen Bewohner ist es auch nicht, wenn sie soweit hinunter gehen sollen, denn sie müssen eben auch für einige ein kleines Opfer bringen, und einen weiteren Weg machen, soferne sie nicht die projektirte Ueberfahrt um ihr Geld benützen wollen. Sind die Bewohner von St. Nikolaus so lange Zeit schon hinaufwärts gewandert oder haben um ihr Geld, das die meisten gewiß nothwendig brauchen, überfahren müssen. Gefährlich ist eine Ueberfahrt auch nicht, denn bei der jetzt bestehenden ist noch nie ein Unglücksfall vorgekommen, und wenn sie im Sommer bei Hochwasser nicht benützt werden kann oder Jemand die Fahrtaxe nicht spendiren will, so muß er eben einen etwas weiteren Weg gehen, es ist den Bewohnern von St. Nikolaus bisher auch nicht anders gegangen. Eine freie Zufahrt zur Brücke kann beim Schulhause sehr leicht hergestellt werden, wenn ein Stück des anstoßenden von einer Mauer umgebenen Baumgartens angekauft wird; der Besitzer dieses Grundes wird zu einer billigen Abtretung des nöthigen Grundes gewiß sich bereit finden lassen, wenn er den Vortheil der nahen Brücke genießt. Daß die Nothbrücke, wenn sie bei der Fleischbank errichtet wird und dann stehen bleiben soll, zu nahe neben der Hauptbrücke wäre, geben die obunterzeichneten linken Jnnufer - Bewohner zu, aber bei dem Strafhause ist ihnen die Distanz nicht zu nahe, obwohl die Entfernung kaum hundert Klafter betragen wird. Wenn die Jnterimsbrücke auch nach Vollendung der Hauptbrücke fortbestehen und nicht abgetragen und an einem anderem Platze wieder aufgestellt werden soll, was jedenfalls kostspielig wäre, so soll sie nicht in unmittelbarer Nähe der Hauptbrücke, sondern da wo eine zweite Brücke nothwendig ist, gleich Anfangs schon errichtet werden, und dies ist an der Stelle der Fall, wo jetzt die Ueberfahrt besteht, weil hier, wie im früheren Artikel in Nro. 65 nachgewiesen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. März 1870, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2474-zur-frage-der-neuen-ueberfahrt-am-linken-inn-ufer-und-der-1870).

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