Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
STURM TRÜBT SCHÜTZENFREUDEN

Unglücksfall bei Schützenfest: Obelisk stürzt und erschlägt Herrn Unger, Se. k. k. Hoheit theilnehmen mit Hochachtung

1444 durch einen Unglücksfall getrübt wurde, indem durch den mit höchster Heftigkeit rasenden Südwind einer der beiden als Festdekorationen nächst dem Mauthhause errichtet gewesenen riesigen Obelisken urplötzlich umgestürzt, und dadurch ein Mitglied der uniformirten Stadtschützen - Kompagnie von Innsbruck, Herr Unger, Zimmcrmaler, erschlagen wurde. Se. k. k. Hoheit, hievon in Kenntniß gelangt, geruhten allsogleich böchstsick an die Stelle des Unglückes zu bemühen, und hier über das Nähere, sowie über die Familienverbältnisse des Verunglückten theilnamsvollst Höckstsich zu erkundigen, welche höchste Thcilnahme gewiß der hinterlaffencn Familie zum größten Tröste in ihrem Unglücke gereichen und Alles beitragen wird, die traurigen Folgen des Verlustes ihres Brodschaffers für die Wsttwe und unversorgten 3 Kinder des Hrn. Unger möglichst zu mildern. Dieser Unfall und der unabläßig rasende Sirocco beeinträcbtigten die Festfeier, die Entfaltung der Schützenfahnen, die Wirkung der Musik und der Gesangsvorträge der hiesigen, durch zahlreiche Gesangsdilettanten verstärkten Liedertafel, und die Schützenfreuden überhaupt ungemein, und nur die Erscheinung des geliebten kaiserlichen Prinzen allein war im Stande, den Volksund Schützen - Jubel wieder zu entfesseln, welcher sich in unzweideutigster Weise sowohl beim Dcfiliren vor Sr. k. k. Hoheit am Rennplätze, als bei Höchstdessen Ankunft an der Schießstätte durch begeisterte Acclamationen und das Gejauchze der Anwesenden Schützen und Volksmenge, welche zusammen wohl 20,000 Menschen betragen mochte, kundgab. Se. k. k. Hoheit geruhten, dieses Festschießen in höchsteigener Person zu eröffnen, und schossen gleich darauf einen Zweier. Was der Sturmwind in der Stadt verdarb, gilt noch in größerem Grade, mit glücklicher Ausnahme von Unglücksfällen, von der Feier am Berg Jsel, wo die ganze Beleuchtung unterbleiben mußte, wozu doch so großartige Vorbereitungen getroffen worden waren.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Oktober 1855, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/248-ungluecksfall-bei-schuetzenfest-obelisk-stuerzt-und-erschlaegt-1855).

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