Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BRÜCKE OHNE BAUERNTRICK

Nachruf auf die alte Innbrücke Innsbrucks

Innbrücke Innsbrucks. (Aus der Volks und Schützen - Zeiiung von vr. Schönherr. *) „Nur einmal noch in meinem Leben, Auf der Jnnbrück ' möcht ich steh ' n. " Der Sänger deS bekannten Volksliedes, mit dessen ersten Klängen ich diesen historischen Rückblick einläute, würde heute vergeblich die Brücke suchen, welche ihm zum Ziele der Sehnsucht seines Herzens geworden war. Die letzten Spuren der alten Innbrücke sind bereits verschwunden, und kaum kennbar ist mehr die Stelle, auf welcher die vom Vater 3nn so lange und so laut umrauschten Steinpfeiler gestanden sind. Eine Brücke, über welche die Bewohner der beiden Stadttheile so viel Leid und Freud getragen, über die so viel Reichthum und Glanz, so viel Elend und Roth gezogen, über welche Anno Neun die Stutzenkugeln der Schützen und die Granaten des Feindes flogen, eine Brücke, deren Urgroßmutter bei der Taufe der Stadt zu Gevatterin gestanden und ihr den Namen gegeben hat und die zu allen Zeiten mit der Geschichte ihres stolz Heranwachsenden Täuflings so enge verflochten blieb, eine solche Brücke verdient gewiß, daß wir einen historischen Blick auf dieselbe zurückwerfen und ihr einen Nachruf widmen, in welchem wir dem Grundsätze, daß man den Todten nur GuteS nachsagen soll, schon der Kürze wegen möglichst treu bleiben wollen. Die eben abgetragene Brücke war genau an derselben Stelle erbaut, auf welcher ihre Urgroßmutter gestanden, welche Innsbruck noch in den Wiegen liegend gesehen hat. Denn am jenseitigen Ufer mündete die Brücke in gerader Richtung mit der Höttinger Gaffe, durch welche einst die Hauptstraße nach Ober und Unterinnthal führte, am diesseitigen Ufer unter dem Thore deS Jnnbrücken ThurmS. Bevor wir nun von der jüngst hingegangenen Tochter sprechen, wollen wir zuerst noch einen Rückblick auf die längst verblichenen Reize ihrer Ahnfrauen werfen. Nach dem, was ich urkundlich über die älteste Form unserer Innbrücke weiß, hatte sie fünf Pfeiler von der Form, wie sie in den alten Stadtwappen abgebildet erscheint, sogenannte Steinkästen von bedeutendem Durchmesser. Sie hatte weder Spreng noch Hängwerk, sondern trug Roß und Wagen, Reiter und Fußgeher auf dem einfachsten Rücken der überzogenen Ensbäume und Dielen. Die Brücke war länger, als die eben abgetragene und ging bis an den Jnnbrückenthurm, welcher in der Lücke zwischen der „ Ottoburg " und der Jnnbrückenkaserne stand, jedoch so, daß seine beiden Seiten, die eine gegen den Jnnrain, die andere dem jetzigen Jnnquai zu, frei waren.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. März 1871, S. 21, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2605-nachruf-auf-die-alte-innbruecke-innsbrucks-1871).

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