Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MUTTER UND TÄTERIN IM SELBEN TUCH

Entsetzlicher Kindermord in der Kapuzinergasse durch Petroleum und Feuer

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 10. August 1871 · Seite 5 · #Kindestötung
(Ein Kindesmord.) Ueber ein solches abscheuliches Verbrechen das dieser Tage in der Kapuzinergasse verübt wurde, wird uns Folgendes erzählt: Einer in der Kapuzinergasse dort wohnenden Witwe, deren Mann vor 2 Jahren mit Hinterlassung eines Kindes gestorben und deren Reize noch nicht ganz verblüht waren, passirte in Folge eines zu intimen Verhältnisses mit einem italienischen Studiosus das Malheur, in interessante Umstände zu gerathen. Dies genirte sie ungemein und sie suchte ihren Zustand so viel als möglich zu verheimlichen. Vor einigen Tagen erfolgte ihre Niederkunft und sie war genöthiget, einen Arzt holen zu lassen, dem sie jedoch nicht den wahren Thatbestand gestehen wollte. Doch dieser war nicht so leicht zu täuschen und fragte allsogleich nach dem Neugebornen. Der Witwe half kein Läugnen und sie mußte die Wahrheit gestehen, indem sie auf einen Kasten wies, wo denn auch das Kind todt angetroffen wurde. Die Mutter hatte dasselbe in ein mit Petroleum getränktes Tuch eingewickelt gehabt und hierauf augezündet. Das todte Kind wurde in das Stadtspital gebracht und gegen die Mutter die gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Die Obduktion zeigte, daß das Kind vollständig ausgetragen, wahrscheinlich an Erstickung gestorben sei; am rechten Arme fanden sich Brandflecken vor.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. August 1871, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2676-entsetzlicher-kindermord-in-der-kapuzinergasse-durch-petroleum-und-1871).

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