Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
FUTTERWUNDER AUS BRAUNHEU

Erfolgreicher Versuch mit Braunheu und ausgedehnter Gebrauch der Milch bei Hrn Lepuschitz in Kematen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 16. November 1855 · Seite 5
" Landwirthschaftiiches. Wir haben in unserm Landwirthschasts - Kalender für das Jahr 1856 unter Andern: auch von der Bereitung des Braun - Heues gesprochen, und haben auf die Vortheile aufmerksam gemacht, welche diese Heubereitung mit sich bringt. Herr Lepuschitz in Kematen hat im heurigen Jahre schon mit Nachheu und Klee einen großartigen Versuch gemacht, der ihm vollkommen gelungen ist. Das eingeschlagene und nun abgedeckte Futter ist eine so feste Masse geworden, daß es vom Stocke mit der Art losgemacht werden muß. Löst man dann die losgehackten Theile auseinander, so erkennt man noch jede Pflanze in allen ihren Theilen so genau, daß sie der Botaniker noch leicht bestimmen könnte; das Futter hat einen sehr aromatischen Geruch, gleich dem von eingemachten Gurken. Im Anfänge wollte das Vieh dirses Futter wegen des starken Geruches nicht fressen, aber schon am dritten Tage verlangte es so begierig darnach, daß die Kühe neben dem Trockenheu nur dieses Braun- Heu rausten. Wer sich, von allem dem selbst überzeugen will, verfüge sich zu Hrn Lepuschitz, der ihm über Alles gerne Ausschluß geben wird. Bei eben diesem Hrn. Lepuschitz kann man sich auch überzeugen, welchen außerordentlichen Nutzen man von der Milch erhalten kann, wenn man sie zu behandeln weiß. Aus beiläufig 150 Maß Milch bereitete er in unserer Gegenwart 25 Pfund der besten Butter und zwischen 50 und 60 Pfund Parmesan - Käse. Wir meinten, nun sei die Milch ganz ausgenützt; nein, es wurden daraus noch etwa 2 bis 3 Maß iioretto bereitet, welcher vorzüglich gut zu essen und einem recht gut bereiteten Kindskoche sehr ähnlich ist, und nach diesem Auszuge wurde erst noch die sogenannte Buina oder Zieger bereitet; die dann noch übrige Jute wurde den Schweinen verfüttert. Wir wissen wohl, daß diese Milchbenützung eine große Quantität Milch erfordert, allein eben deßwegen haben wir auch in unserm Kalender für das Jahr 1856 die gemeinschaftlichen Milchwirthschaften angerühmt, wodurch diese ausgebreitere Benützung der Milch ermöglichet wird. Würde die Vraunheu - Bereitung und die gemeinschaftliche Milchwirthschaft überall Eingang finden, so würde sich der Wohlstand unseres Vaterlandes bedeutend heben.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 16. November 1855, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/269-erfolgreicher-versuch-mit-braunheu-und-ausgedehnter-gebrauch-der-1855).

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