Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GEIGENMEISTER MIT WELTBEZUG

Ruhmreiche Kunstprodukte aus Innsbruck im Ausland und Jakob Stainers Geigen in guter Pflege

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 17. November 1871 · Seite 4
2792 Fabrikant wohlbekannte Herr Josef Gschwenter seine diesfälligen Kunstprodukte nicht nur nach Rußland, sondern auch nach Peußen und England auf dortige Bestellung hin abgeliefert, und überall damit großen Beifall gefunden. Wie wohl es einerseits zu bedauern ist, daß gerade die besten Kunstprodukte auf diese Art in das Ausland wandern, so ist es andererseits wieder doch sehr erfreulich, daß Innsbruck auch in dieser Richtung an gutem Ruf und Namen gewinnt, und auch wieder um einen Mann mehr unter seinen arbeitstüchtigen Geschäftsleuten zählt, der nicht nur mit seinen vorzüglichen Kennt' nissen solche Kunstprodukte ( mit den den Klang der Instrumente besonders hebenden Silbersaiten neuester Art) selbst zu schaffen versteht, sondern sich auch die Mühe gibt, aus allen Schlupfwinkeln alte und vom Mover ergriffene sonst aber von den tüchtigsten Meistern der Vorzeit herrührende Instrumente, wenn gleich oft nur in Bruchstücken, aufzufinden, sie bestens zu repariren, und wieder der Kunstwelt vollkommen brauchbar zur Hand zu stellen. In dieser Beziehung können Kunstliebhaber noch gegenwärtig eine uralte echte Violine des italienischen Künstlers Amati und auch des deutschen vaterländischen aus dem benachbarten Dorfe Absam herstammenden Künstlers Jakob Stainer in Einsicht nehmen. Bezüglich der bei Herrn Gschwenter noch vorfindlichen Concertinen ist nur zu bedauern, daß dieses dankbare Instrument hier beinahe nicht bekannt ist, und es Niemand zu spielen versteht, und daß es außer im hiesigen k. k. Nationaltheater, wo es vor nicht langer Zeit mit allem Beifalle ausgenommen wurde, sonst noch gar nie öffentlich gehört wurde, — während dem die moderngewordenen mit 3 Klavierturen versehenen Hand - Harmonika — eine Abart obiger Concertinen — nun vielseits schon an Stelle der schwer transportablen Fis - Harmonika und selbst der Pianoforte besonders zum Gebrauch auf das Land und während der Sommerfrische getreten und auch schon von dem Landvolke ungeachtet des höhern Werthes und Preises wegen der Einfachheit beim Erlernen gesucht werden. Als besonders erfreulich erscheint aber auch die letzte Nachricht, daß unser rühmlichst bekannter Literat Herr Seb. Ruf eine Biografie des oberwähnten berühmten alten „ Geigenmachers Jakob Stainer " nun der Presse übergeben hat; man gibt sich hiebei der Hoffnung hin, daß auch über den musikalischen Werth und die besonder « Kennzeichen seiner so berühmt gewordenen Instrumente verläßliche Daten und Gutachten untrüglicher Sachkundiger gesammelt, und uns darin vorgelegt werden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 17. November 1871, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2735-ruhmreiche-kunstprodukte-aus-innsbruck-im-ausland-und-jakob-1871).

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