Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KIND IM STADTWAPPEN-TREFFER

Öffentlichkeit bei der Ziehung der Glücksradnummern unter Anwesenheit der Kommission

20 Nummern in das Glücksrad vorgegangen wurde, sowie die Vorsichtsmaßregeln, welche dabei beobachtet worden find, und nachdem die Herren Notare ihre Siegel und das der Stadt, mit welchem das Glücksrad verschlossen war, als unverletzt erkannt hatten, wurden die Siegel abgenommen, das Glücksrad etliche Male gedreht, sodann geöffnet, und ein Knabe, Sohn des Tischlermeisters Weth, in weißer Tunica mit rother Einsäumung und dem Stadtwappen auf der Brust, auf einem Tische stehend, machte unter athemloser Spannung der Anwesenden, den bedeutungsvollen ersten Griff in das Rad und hob aus den 50. 000 Hülsen, in denen die Nummern eingesteckt sind, Eine, übergab sie dein Herrn Bürgermeister, der sie ablas, worauf der Herr Obmann des Finanz- Comitös den Treffer verkündete, den sie machte. Die übrigen Mitglieder der Kommission trugen zur Kontrolle die gerufene Nummer in Protokolle ein. So gespannt die erste Zahl erwartet wurde, so kalt ließ Nr. 36. 785 die Zuschauer, es muß keiner von denselben den Treffer gemacht haben, denn nichts verrieth auf den Gesichtern freudige Ueberraschung, eher hätte man so etwas von Enttäuschung auf dem einen oder andern lesen können, vorausgesetzt, daß irgend Jemand von den Anwesenden den süßen Traum des ersten Treffers je geträumt haben sollte. Aber den hat auch Niemand geträumt, denn wer kauft Lose in der Absicht, einen Treffer zu machen. Doch von dieser Exkursion wieder zurück zur Ziehung. Während unserer Betrachtung wurde schon Nro. 41. 999 gezogen und verkündet, daß diese Nummer 2000 fl. gewinnt; es folgt Nro. 11. 459 und Nr. 7973, noch immer zur „ Gesellschaft " gehörend, denn sie machen noch die annehmbaren Treffer von je 400 fl.; aber nun kommt das Proletariat, 46 Mann hoch, aus dem messingenen Glückö - Ei herausgekrochen, jeder dieser Kerle nur 30 fl. werth, schlimmer als gar nicht gezogen worden zu sein, denn die 30 fl. find die Todtengräber, welche die Hoffnung auf einen später « großen Treffer zu Grabe tragen. Die gezogenen Nummern wurden, nachdem sie von jedem Kommissions - Mitgliede eingesehen worden waren, an eine Schnur gefaßt. Nachdem 50 Nummern aus dem Rade gehoben waren, verlor sich das Publikum aus dem Saale, es wurden die Protokolle von den Kommissions - Mitgliedern gefertigt und das Glücksrad von den Notaren und dem Bürgermeister wieder versiegelt, der Telegraph aber trug allsogleich die Kunde von den gehobenen Nummern nach Wren, und die Reporter der hiesigen Zeitungen in die betreffenden Druckereien. Es wurden folgende Nummern gehoben: Nr. 36,785 mit dem Gewinne von 30,000 fl. — Nr. 41,999 mit dem Gewinne von 2000
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. Jänner 1872, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2762-oeffentlichkeit-bei-der-ziehung-der-gluecksradnummern-unter-1872).

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