Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ERDE ALS GROSSE STROMMASCHINE

Vortrag über die Ursachen des Nordlichtes durch Robert Mayr in Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 7. Februar 1872 · Seite 4
(Das Nordlicht) vom Sonntag wurde auch in Paris beobachtet und bedeutete für die Pariser einen baldigen schrecklichen Revanche - Krieg. (Entstehung des Nordlichtes.) Die neueste Theorie über den Ursprung des Nordlichtes hat der Entdecker des mechanischen Wärme - AequivalentS, Robert Mayr aus Heilbronn, auf der Naturforscher - Versammlung zu Innsbruck vorgetragen. Dort bezeichnete er die Passatwinde als die Hauptursache des Erd- MagnetiSmuS; für das Vorhandensein einer elektrischen Strömung auf der Erdoberfläche führte er — neben dem durch Lamont direkt geführten Nachweise — die Richtung der Magnetnadel an. Dem bedeutenden Verbrauche von elektrischer Aktion müsse ein fortlaufender, ebenso bedeutender Ersatz entsprechen. In dieser Beziehung habe man sich die Erde als eine große, immer thätige Clektristr- Maschine zu denken. Die Gewitter bilden nur Lvkalerscheinungen der Elektrizität. Für die konstante Ursache der konstanten Störung des elektrischen Gleichgewichtes des Erdkörpers erklärt Mahr einzig und allein die permanenten Luftströmungen zwischen den Tropen, d. h. die Passatwinde. Er sagte in Innsbruck wörtlich: „Die unterste Schichte der Passatwinde nimmt durch die Reibung mit der Meeresoberfläche eine dem Wafler entgegengesetzte elektrische Beschaffenheit an; diese Luft erhebt sich aber, von der Sonne erwärmt und von der kältern, unten nachströmenden Luft verdrängt, wieder nach oben, um gegen die Pole hin abzufließen, wo sie durch die erhaltene elektrische Strömung die prächtige Erscheinung des Polarlichtes hervorruft. " Die Erscheinung der Nordlichter hält nach dem Astronomen Fritz in Zürich, gleich den Sonnenflecken eine eilf« jährige Periode ein. Die in neuerer Zeit wiederholt aufgestellte Hypothese, daß die Nordlichter mit kräftigeren Luftströmungen vom Aequator her ( Antipassat), und mit Stürmen im Zusammenhänge stehen, also gewöhnlich mit Witterungswechsel verbunden find, gewinnt gleichfalls immer mehr an Wahrscheinlichkeit, iudeß find genauere Aufschlüsse erst in Zukunft aus zahlreicheren Beobachtungen zu erwarten.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Februar 1872, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/2786-vortrag-ueber-die-ursachen-des-nordlichtes-durch-robert-mayr-in-1872).

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