Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
RICHTER OHNE TARLAR UND MIT TON

Mordverurtheilung wider Franz Zangerle aus Brüggen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 14. Februar 1873 · Seite 5 · #Justizgebäude
Zug ßostzug nmt an boftzug bostzug Eüzug tc: msbruck ruck um ünkunfl )rAbds Mbrua ends^ 393 (Ans dem Gerichtssaale.) Bei dem hiesigen k. k. Landesgerichte wurde gestern in später Abendstunde die Schlußverhandluug gegen den des Mordes angeklagten Franz Zangerle von Brüggen bei Landeck mit der Verkündigung des Straserkenntnisses, welches den Angeklagten als des gemeinen Mordes schuldig zu 15 Jahren schweren Kerkers verurtheilte, zu Ende geführt, die während ihrer zweitägigen Dauer stets das lebhafteste Interesse des Publikum « in Anspruch nahm. Der Thatbestand ist folgender: In dem eine halbe Stunde von Landeck entfernten Brüggen wohnte in einem hüttenartigen Hause rechts an der Poststraße der Schuster Franz Zangerle, ein kräftiger, starker, aber roher Mann, der wegen seiner Tücke und Bosheit in der Umgegend weit gefürchtet war und sich oft Jahre lang in der Fremde herumtrieb. In der gleichen zweistöckigen Behausung wrhnte: m zweiten Stocke seine Frau Anna Weber, eine Schwägerin des im ersten Stocke wohnenden Hadernsammlers Josef Falch, und nebst ihr auch die Tochter des Letztgenannten, Anna Falch, welche bei Franz Zangerle im Dienste stand. Zwischen Zangerle, „ Dick " genannt, und eem Josef Falch, „ Dötle ", bestand seit Jahren eine bedeutende Feindschaft und stete Reibungen. Falch hieß Zangerle den Räuberhauptmann u. dgl. und dieser stieß gegen Falch häufig Drohungen aus, wie „ ich werde dich hassen, wie den Wurm im Grase ", „ ich gehe wieder in die Fremde, früher aber werde ich das Bötle zwiefeln " u. s. w., Drohungen, deren Grund in verschiedenen Streitigkeilen um den ausschließlichen Besitz der kleinen Behausung, in der beide wohnten, liegen mag. — Am Peter und Paultag v. I. kam Franz Zangerle in angetrunkenem Zustande gegen 10 Uhr nach Heule und begab sich zu seiner Frau, die mit der Magd Anna Falch im zweiten Stocke schon zu Bette war. Einige Augenblicke darauf wurde die Hausthür etwas heftig zugeschlagen und Zangerle, der wußte, daß Bötle diesen Lärm veranlaßt, und der im trunkenen Zustande — er hatte an jenem Abende außer 4 Halben Bier auch über 2 Maß Wein getrunken — ziemlich absonderliche Marotten zu haben scheint, sagte gleich zu seiner Frau: er werde hinabgehen und das Bötle würgen. Die Frau und die Magd Anna, die Tochter des Dötle, erhoben sich im Bette auf die Knie und baten ihn, dies ja nicht zu thrn. Er gab nach und stieg in die Dille hinauf, vorgeblich um sich niederzulegen. Allein die Wuth, die er damals gegen Falch hatte, kam doch zum Ausbruch. Seine Frau, die noch wach war, hörte ihn von der Dille herab in den ersten Stock gehen und vernahm, wie Bötle den Zangerle mit den Worten bat: „ Ich bitt ' Dich Franz, laß mich gehen. " Auf dieshin weckte die Frau des Zangerle sogleich die Anna Falch, und theilte ihr das eben Gehörte mit; währenddessen vernahmen dann beide einen gräßlichen,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. Februar 1873, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3052-mordverurtheilung-wider-franz-zangerle-aus-brueggen-1873).

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