Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GEISTIGE GESTANKERFAHRT

Nachweis der Ursache des Gestankes am Ursulinergraben

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 28. Juni 1873 · Seite 6
Ucber die Ursache des Gestankes am Ursulinergraben, die jetzt zu beheben gesucht wird, erhalten wir von Hrn. I. A. Gfall folgende Zusendung: „ Der üble Geruch komme nicht von irgend einer Kloake, sondern von dem abtraufenden Wasser aus den Rüben und Sauerkraut - Schäffern, ans welchen täglich das Kraut feilgeboten wird, und wohl auch von anderen Abfällen der am Platze herumliegenden Vegetabilien her. Es gilt nun, hiefür die Beweise zu liefern. Jede Kloake verduftet ihre Gase nur so lange rapid, als der Unrath darin bewegt wird, hört die Bewegung auf, so verdunsten die Gase nur an der Oberfläche, worauf diese zur Decke wird für die unteren Schichten. Dieselben können nun ihr Aroma nur langsam abgeben. Ein ruhig liegender Unrath kann es also nicht sein, ein fließender immer sich neugestaltender Morast mit oben in Frage stehender Ausdünstung noch weniger, weil es einen solchen eben nicht gibt. Auch der Umstand, daß im Winter bei gefrorenem oder mit Schnee bedecktem Boden gar kein Geruch, im Sommer an Regentagen kaum etwas zu verspüren ist, liefert den unzweideutigsten Beweis, daß der Geruch nicht aus Orten kommt, in welchen der Temperaturwechsel nur sehr langsam stattfinden kann. Wohl aber ist es, wenn der Geruch sich rasch verliert oder sich eben so schnell entwickelt, ein Beweis, daß die Ursache auf der Erdoberfläche zu suchen ist. Auch die Umstände, daß der Geruch nur gewissen Plätzen anhaftet, während den Kanalösfnungen kein Geruch entsteigt, ferner daß nach den Donnerstagen, Freitagen und Samstagen mehr, an den übrigen Tagen weniger, am allermeisten aber von dem in Rede stehenden Gestanke bei großer Hitze zu empfinden ist, beweisen, daß der Geruch jedenfalls vom sogenannten Krautwasser herkommt, ja es beweist dies allein schon der Umstand, daß eben nur Krautwasser einen solchen Geruch erzeugen kann. Man wolle nun mit dieser Flüssigkeit einen Erdboden, welcher der Sonnenwärme stark ausgesetzt ist, düngen und dann erfahren, daß obige Annahme richtig ist.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Juni 1873, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3137-nachweis-der-ursache-des-gestankes-am-ursulinergraben-1873).

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