Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
LATRINEN MIT CARBOLSÄURE GEGEN CHOLERA

Maßregeln zur Cholera-Prävention in der Stadt – Desinfektion und Reinigung der Aborte verstärkt

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 22. August 1873 · Seite 3
R. Schumacher den Bürgermeister, welche Vorkehrungen von Seite der Stadt gegen die Einschleppung der Cholera getroffen worden seien und ob demselben bekannt sei, ob und welche Maßregeln gegen das Auftreten dieser Krankheit im weitern Kreise von der Landeösanitäts- Bchörde angeordnet worden seien. Der Herr Bürgermeister antwortet hierauf, daß von Seite der Stadt schon seit 3 Wochen wöchentlich einmal die Aborte der Einkehrgasthäuser, der Kaffee und Schankhäuser mit Eisenvitriol und Carbolsäure desinfizirt worden, daß diese Desinfektion in Zukunft zweimal in der Woche vorgenommen werden wird; daß ferner die Abtrittgruben der frequenteren Gasthäuser auf geruchlose Weise mit den neuen pneumatischen Apparaten vorgenommen werden. Die Gasthofbesitzer fügten sich gerne diesen Maßregeln bis auf 2, welche gegen die Reinigung ihrer Latrinen protestirten und sich niit ihrer Beschwerde dagegen an die Statthalterei wandten, von derselben aber abgewiesen wurden Es werden ferner keine Lizenzen zur Räumung der Aborte auf die seither bei uns üblich gewesene primitive Art ertheilt, sondern werden die Gruben dort, wo es nothwendig ist, auf geruchlose Weise geleert. Auch sei die Marktpolizei, besonders in Betreff des Obstes, verschärft worden. Die Landessanitäts - Behörde habe bisher noch keine Maßregeln gegen die Cholera ergriffen, um die Leute nicht vorzeitig zu beunruhigen, doch werde dieselbe in den nächsten Tagen aus diesem Anlasse ihre Thätigkeit beginnen. Vice - Bürgermeister Dr. Falk theilt mit, daß auch das Spital - Comitö aus gleichem Grunde und zwar verstärkt in den nächsten Tagen zusammentreten werde. G. - R. Dannhauser beantragt, daß in den dichtbevölkerten Stadttheilen auch die Aborte der Privathäuser von städtischen Arbeitern desinfizirt werden. Der Herr Bürgermeister will die Desinfektion gegen eine Entschädigung von 10 kr. ö. W., da das Desinfektionsmittel etwas kostspieliger Art sei, in allen Privathäusern durch städtische Organe durchführen, was von der Versammlung billigend zur Kenntniß genommen wird.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. August 1873, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3183-massregeln-zur-cholera-praevention-in-der-stadt-desinfektion-und-1873).

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