(Aus dem Schwurgerichtssaale.) Die Verhandlung, welche gestern unter dem Vorsitze de « OberlandeSgerichtsratheS von Miller ihren Anfang nahm, ist auf 3 Tage anberaumt, und lockte schon am ersten wegen der sensationellen Punkte, auf welchen die, von Staatsanwalt Linser vertretene Anklage basirt, ein überaus zahlreiches Publikum in den Gerichtssaal. Zu den 12 Geschwornen wurde noch ein Ersatzgeschworner auSgeloSt und ausnahmsweise fungirten zwei junge Rechtsgelehrte als Protokollführer. Die umfangreiche Anklageschrift, deren Publizirung nahezu 2 Stunden in Anspruch nahm, verlas mit lauter und deutlich vernehmbarer Stimme Dr. Ferdinand Ritter v. Trentinaglia zu Telvenburg. Ohne Rücksichtnahme auf den naseweisen Einsender im „ Innsbrucker Tagblatt ", der eine episch breite Erzählung über jedes Taschenmesser, das dem Herrn Povinelli gestohlen wurde, gar so amüsant fände, erlauben wir uns gleichwohl auch dem dickleibigen Protokolle des Prozesies Hellrigl nur jene Daten zu entnehmen, deren Kenntniß für ein großes Lesepublikum von Interesse ist. Edmund von Hellrigl. ein gebürtiger Innsbrucker, erhielt sowohl hier als in anderen österreichischen Städten eine gediegene merkantile Ausbildung und trat nach deren Vollendung im Jahre 1858 in das große und renommirte Geschäft seines Vaters ein. Mit 1. Oktober 1865 nahm er die Leitung desselben selbständig in die Hand, verheiratete sich späterhin mit Frl. Lina von Wenger und nach dem Ableben der ersten Gattin mit Frl. Cäcilie Löbling, obschon der Vater dieser seiner zweiten Braut entschieden gegen die beabsichtigte Verbindung protestirte. Das Vermögen Hellrigl ' S bestand in den Erträgnisien eines zu ziemlicher Blüthe gelangten Speditionsgeschäftes in Innsbruck und eines Ln gros - GeschäfteS der Eisenwaarenbranche in BulpmeS, sowie auS dem bedeutenden Werthe einiger Realitäten und der ziemlich ansehnlichen Mitgift der beiden Frauen. Seinen Eltern mußte Hellriegl eine mäßige JahreSrente ausbezahlen und freie Wohnung geben. In der ersten Zeit ging das Geschäft des strebsamen ManneS ganz gut. Die allgemeine Achtung, heißt eS in der Anklageschrift, konnte dem Herrn von Hellrigl nicht versagt werden und seine Buchhaltung war eine sorgfältige, kaufmännisch korrekte und pünktliche. Die verschiedenen Firmen, welche später durch Hellrigl zu Schaden kamen, haben die günstigsten Referenzen über den Angeklagten und sein geschäftliches Gebühren erhalten. Es dauerte jedoch nur kurze Zeit, bis es mit Edmund v. Hellrigl abwärts zu gehen begann. Einen schweren Schlag versetzte ihm namentlich daS, Mitte der Sechzigerjahre eingetretene Falliment seines Schwagers Negrioli, wodurch Hellrigl an 60. 000 fl. cingebüßt haben soll. Er bahnte bereits im Jahre 1868 mit mehreren Gläubigern eine Liquidation an und glich sich mit 50 bis 60 Prozent mit mehreren Geschäftshäusern aus. Hellrigl wmdete hierauf insbesondere seinem Geschäfte in VulpmeS große Sorgfalt zu und verwendete auf dessen Hebung ansehnliche Summen. Er will, denn auch 1872 einen Waarenabsatz von nicht weniger als 200. 000 fl. erzieh haben, welche Angabe indeß nach dem Zeugnisse seiner Geschäftsfreunde vi? zu hoch gegriffen ist. Aber auch dieser momentane Aufschwung reichte nicht hin' die bedeutende Schuldenlast, welche v.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. Juli 1874, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3358-schwurgerichtsverhandlung-gegen-den-innsbrucker-kaufmann-hellrigl-1874).
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(Aus dem Gerichtssaale.) Beim hiesigen k. k. Landesgerichte finden folgende Schlußverhandlungen statt: Am 15. ds. 1. wider Heinrich Geißler, 27 Jahre alt, lediger Wirthssohn und Viehhändler von Mairhofen, 2. wider Jakob …
Man gibt die Zahl der in Straf oder Untersuchungshaft Befindlichen auf 86, eine Ziffer, die woh! hier noch nie erreicht worden fein dürfte und zu der verhältnißmäßig das größte Kontingent das zarte Geschlecht lieferte. …
Kammer! Alois, Bäcker in Hötting. — Von diesen wurden aus gesetzlichen Gründen dieses Amtes über ihr Ansuchen enthoben die Herren Bechtold Gregor in Hall; Buffon, Dr, k. k. Univ. - Professor; ferner auf Grund des 8. 2 Ab …
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