Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KEIN PHOSPHOR – KEIN BRAND

Einführung der Antiphosphor-Reibzünder durch Bernard Fürth in Paris

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 28. Mai 1856 · Seite 6 · #Erfindungen und Technik
815 Jetzt gelangte das intelligente Fabrikshaus von Bernard Fürrh zu Schüttenhofen und Goldenkron in Böhmen dahin, die neue Entdeckung gemeinnützig zu machen und Zündapparate mittelst des amorphen Phosphors im Großen herzustellen. Selbe erschienen zuerst auf der Pariser Weltausstellung unter der Exposition des Hauses Fürth, wo sie von Seite der praktischen Franzosen, wie leicht denkbar, keine geringe Beachtung fanden; nun sind sie, von einem ausschließenden k. k. Privilegium geschützt, seit kurzer Zeit unter dem Namen der Antiphosphor - Reibzünder von Bernard Fürth in den Handel gebracht worden. Sie unterscheiden sich in ihrer äußern Erscheinung von den bekannten Zündhölzchen durch die Eigenthümlichkeit, daß der ganz unschädliche Zündstoff auf der Reibfläche angebracht werden konnte, die Hölzchen selbst aber gleichsam eine todte, harmlose Masse vorstellen, welche für jede anderweitige Friction unempfindlich bleibt. Hiemit ist eine gewaltige, wohlthätige Reform auf dem Gebiete der Zündwaaren - Erzeugnisse angebahnt, wofür Herr Fürth Ehre und Dank verdient. Wir halten vorläufig die Herstellung der „ Antiphosphor - Zünder " kaum mit einem lucrativen Vortheile verbunden, da der amorphe Phosphor allein aus England zu beziehen ist, wohin Schrötter das Produkt zur Auffindung eines Industriellen tragen mußte, welcher die fabriksmäßige Erzeugung unternahm; wir glauben auch nicht, daß hierin für die einheimischen chemischen Etablissements viel Schmeichelhaftes liege; wovon wir jedoch durchdrungen find, das ist von der Ueberzeugung, daß es Pflicht der vaterländischen Jury gewesen wäre, Herrn Fürth, der überhaupt der erste Zündwaaren - Fabrikant sein dürfte, die höchste Auszeichnung in Paris zu erwirken, und daß es gewissen Vereinen, die stets den Patriotismus im Munde führen, sehr wohl anstehen würde, den gewerblichen Fortschritt allseitig zu würdigen, zur Verbreitung ausgezeichneter österreichischer Erfindungen offenherzig beizutragen, statt vertrocknete Vorlesungen, höchstens gut für Ober - Realschüler, anzuhören und die edle Zeit mit allerlei gegenseitiger Kurzund Langweil eines anheimelnden Mandarinenthums zu vergeuden. Uebrigens hat Fürth einen Trost. Verfloß doch ein Decennium, und man kümmerte sich im Lande blutwenig um die merkwürdige Entdeckung. Eine Weltausstellung mußte in Paris geschaffen werden, damit auf den Antrag eines der größten Chemiker unserer Zeit, des Franzosen Dumas, der österreichische Erfinder endlich Anerkennung erhielt und unter dem Titel als Collaborateur mit dem Kreuze der Ehrenlegion geschmückt, überdies mit der Ausstellungs - Medaille 1.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Mai 1856, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/336-einfuehrung-der-antiphosphor-reibzuender-durch-bernard-fuerth-in-1856).

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