Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WÖLFELE SEPPL BLEIBT AUS

Ungewöhnliche Abwesenheit des Wölfele Seppl auf dem Höttinger Berge

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. November 1874 · Seite 4 · #Originelle Menschen
(Eingefchneit.) Am Geher - Schrofen auf dem Höttinger Berge lebt unter einer Gufel eingenistet seit Jahr und Tag, Winter und Sommer ein menschenscheuer Sonderling, Wölfele Seppl genannt. Derselbe kam regelmäßig, auch im tiefsten Winter Sonntags zur Kirche herab und im Advent sogar regelmäßig früh Morgens zu den Rorate - Aemtern. Vorgestern war es nu r der zweite Sonntag, daß Wölfele Seppl nicht mehr in der Kirche zu sehen war, und die Besorgniß wurde wachgerufen, daß ihm vielleicht ein Leides zugestoßen fei, oder daß er ohne Lebensmittel, dem Verhungern nahe, in seiner Felsenklause hilflos liege, abgeschlossen von der übrigen Welt durch die kolossalen Schneemassen, die in der vorigen Woche gefallen find, und die ihm einen AuSgang aus seiner Einsiedelei eben so schwer, ja vielleicht unmöglich machen, wie ein Hinaufsteigen zu ihm, um ihm Hilfe zu bringen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. November 1874, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3423-ungewoehnliche-abwesenheit-des-woelfele-seppl-auf-dem-hoettinger-1874).

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