Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GEFÄHRLICHES GIFT IM UNTEN

Zur Verhütung von Unglücksfällen durch Leuchtgas nach traurigem Zwischenfall

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 18. März 1875 · Seite 5
Er eröffnet eine neue und kurze Route zwischen New - England und dem Westen der Vereinigten Staaten und wird den Handel Boston ' s in Aufschwung bringen. _ Einige Worte zur Verhütung von Unglücksfällen durch Leuchtgas. Der vor einigen Tagen entstandene Unglücksfall, der leider zwei Menschenleben gekostet hat, beweist, daß es nicht überflüssig ist, über die Vorsichtsmaßregeln gegenüber dem Leuchtgase Aufklärungen zu ertheilen. Das Leuchtgas an sich ist eine der nützlichsten Erfindungen und kann für die Unglücksfalle, die durch leichtsinnige Unvorsichtigkeit oder Unwissenheit in der Behandlung desselben entstehen, ebensowenig verantwortlich gemacht werden, wie etwa die Zündhölzchen oder das Schießpulver für die Feuersbrünste und Schießunglückefälle. Auch der Gasdirektion kann billigerweise nicht die Schuld zugeschrieben werden, da auch die bestgelegte Leitung zufälliger Beschädigung ausgesetzt ist und sie nicht in der Lage ist. von jeder Gasaussüömung sofort Kenntniß zu erlangen. Es ist Sache, ja geradezu Verpflichtung der Nächstwohnenden, jede auch geringe GaSausströmung zur Anzeige zu bringen, um Unglück zu verhülen. Um die Gefährlichkeit der GaSausströmung benrtheilen zu können, muß man wissen, daß dasselbe nicht allein deßhalb gefährlich werden kann, weil es zum Athmen unbrauchbar ist, sondern insbesondere deshalb, weil das in ihm enthaltene Kohlenoxydgas ein heftiges Gift ist, dessen Wirkungen ähnlich mit denen der Blausäure sind. Man muß sich ferner die Ueberlegung nahe halten, daß in einem Raume, der Licht und Leuchtgas gemischt enthält, die Gefahr einer Explosion bei einer Annäherung eines Lichtes vorhanden ist. ES find Fälle vo gekommen, die zum Glücke sehr selten sind, daß ganze Gebäude in die Luft gesprengt wurden, oder daß die ganze massiv gebaute Frontmauer auf die gegenüderstehende Häuserreihe geschleudert wurde. Um alle Gefahren zu vermeiden, achte man aus folgende Punkte: 1. Man beachte jeden Gasgeruch, wenn er auch gering auftritt und dringe auf sofortige Ausbesserung der schadhaften Leitung.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. März 1875, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3461-zur-verhuetung-von-ungluecksfaellen-durch-leuchtgas-nach-traurigem-1875).

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