Beilage zu de » Jmrsdrncker Nachrichte » Skr. 74. Unterhaltungs - Blatt. Innsbruck vor dreihundert Jahren. Vortrag gehalten in der UniversitätSaula zu Gunsten des Walterdenkmales am 13. März d. 3. von Dr. David Schönherr. (Fortsetzung.) Die urkundlich ersten, welchen die Strafe und Ehre, im rein bürgerlichen Gefängnisse deS St. Zörgenthurms zu sitzen, zu Lheil wurde, waren fämmtliche Schneider, welche sonst durch Höflichkeit sich auszeichnend, diesmal, wie daS RathSprotokoll erzählt „ etwas ungebürlich mit ihrer Vorstellung an den ehrsamen Stadtrath getreten sind. " Glücklicher Weise kennt heute der Stadtrath und noch glücklicherer Weise die Negierung diese Empfindlichkeit, die durch ein etwas unhöfliches Auftreten sich reitzrn läßt, nicht. Wir steckten sonst unzweifelhaft in einem Walde von übervölkerten Thürmen. Der Vorstadt oder St. Zörgenthurm wurde 1765 abgebrochen, und seine Quadern wurden zum Bau der Triumphpforte verwendet; die Gefängnisse aber wieder sämmtlich in den Stadtthurm verlegt, wo die gemaßregelten Bürger daS s. g. Bürgerstübele neu hergerichtet fanden, aber die fröhliche Aussicht in die Neustadt und nördlich bis zum goldenen Dächlein schmerzlich genug vermissen mochten. Ueber den Bau deS an der südwestlichen Sette der Stadt gelegenen Pickenthorrs und ThurmeS liegen keinerlei urkundliche Daten vor. Der Thurm war aus einfachem Mauerwerk aufgeführt, und seine äußere Hauptfläche ebenfalls mit einigem Bildwerk geschmückt. Ober dem Thore war ein Marienbild, etwas höher der österreichische Herzschild und über demselben, rechts und links von der unvermeidlichen Sonnenuhr waren zwei andere Wappenschilds Ln Fresco gemalt angebracht. Von dem erwähnten Marienbilde nannte man den Thurm auch Frauenthurm. Der Thurm war bedeutend höher als die übrigen, wurde jedoch 1646 bis zu gleicher Höhe mit den übrigen Thürmen abgetragen. Ueber den Namen dieses ThoreS ist noch keine annehmbare Erklärung gegeben worden. Einige führten ihn auf die Picken zurück, welche in diesem Thurme aufbewahrt worden sein könnten. 3n neuerer Zeit, welche lieber an die ernährende Kunst der Bäcker, als an die kriegerische Picke denkt, nannte man das Thor Väckerthor. Haben bloße Vermuthungen eine Berechtigung, so möchte ich annehmen, der Name Pickenthor stamme von dem allein bei diesem Thore in Anwendung gebrachten Verschlüsse mittelst eineS Fallgitters, welches faktisch in nichts anderem bestand, als in einer Reihe durch Querstücke verbundener, starker Picken. Dieses aus Picken oder pickenartigen Pfählen konstruirte Thor wurde durch senkrechtes Aufziehen oder Herablaffen, und zwar
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. April 1875, S. 21, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3473-vortrag-ueber-die-alten-thuerme-und-thore-innsbrucks-vor-1875).
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