3236 (Ein Tilgman ' sches Saudgebläse in Mühlau.) Die Besucher der Wiener Weltausstellung erinnern sich gewiß mit Vergnügen der kleinen viel umstandenen Maschine dicht neben dem westlichen Portale der Maschinenhalle, welche im Nu alle möglichen Bilder, zumeist auf GlaS, in de « Wortes eigenster Bedeutung hinbließ. Es waren diese Apparate der Tilgman ' schea Sandgebläse, mittelst welcher in staunenswerkher Raschheit spröde Stoffe wie Mas, Stahl, Steine v. dgl. durch die Schnelligkeit, mit der Scndkörvchen auf dieselben hingeblasen werden, matt geschliffen, durchbohrt oder, wenn man Patronen aus weichem Stoffe, wie z. B. Popstr, Kautschuk, die die Wirkung der Sandstrahlen auf den spröden Gegenstand abhalten, auflegt, mit Bildern und Arabesken versehen werden können. Tilgman, der während des großen amerikanischen Bürgerkrieges eine höhere Osfiziersstelle bekleidet hatte, kam durch Zufall während deS Krieges auf diese wuuderbare Entdeckung. Er kam auf einem Streifzuge an eiu Einzeln - Gehöft, deffen Fenster malt geschliffen waren. Auf seine Anfrage, wie das komme, wurde ihm mitgetheilt, daß dieses Erblinden der Fenster eine Ortekalamität sei. Tilgman ergründete bald die Ursache dieser Erscheinung in einem scharfen Winde, der contivuirlich von einem nahen kahlen Hügel kleinwinzige Quarzsavdkörnchen an die Fenster blieS. Nach Beendigung deS Krieges suchte er diese Entdeckung industriell zu verwerthen, und so entstand dieses Sandgebläse, von deffen wunderbaren Wirkung sich jedermann hier iw der Werkstätte des Mechanikers Bauschner in Mühlau, wo eia solches Gebläse in Thätiakelt ist, selbst überzeugen kann.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. November 1875, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3589-erscheint-ein-wunderbares-sandgeblaese-in-muehlau-welches-steine-1875).
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