Wafferstand am Inn 1 Fuß. (Theater.) Was wir bereits anfangs prognostizirten, hat sich nun in der That glänzend bewährt. Die volksthümlichen Nachmittags - Vorstellungen haben während ganz kurzer Zeit eine Beliebtheit erlangt, welche dadurch genug charakterisirt scheint, daß ihnen selbst die Eisbahn keine Konkurrenz mehr zu wachen vermag. So spielte am letzten Sonntag die Musik auf dem Schießstandsanger und im Theater ging bei ausverkauftem Hause und glänzendem Beifalle die „ Waise aus Lowood " in Scene. Eine nicht minder interessante Vorstellung erwartet morgen das Publikum mit Mosenthal ' s wirkungsvollen und hochfesselndem Volksschauspiele, Deborah ". Hat schon neulich Frl. Weiß als „ Jane Ehre " entzückt, so ist doch die „ Deborah " eine Rolle, die so recht ihrem Naturell entspricht und zu ihren vorzüglichsten, wenn nicht geradezu ersten Leistung gehört. Die unglückliche Jüdin weiß sie in ihrer Liebe, ihrem Schmerze, dem dämonischen Hasse und endlich in ihrer versöhnenden Entsagung auf eine Weise zu zeichnen, die nicht nur tiefergreifend, sondern geradezu meisterhaft ist. Wenn Frl. Weiß nur diese eine Rolle in ihrem gewiß reichen Repertoire aufzuweisen hätte, sie würde genügen, ihr den Stempel echter Künstlerschaft aufzudrücken. Dadurch, daß sich unsere Tragödin zur Uebernähme des schwierigen Partes für eine Nachmittagsvorstellung herbengelasseu hat, wird sie sich gewiß Viele zum Danke verpflichten. Den Abend wird die beliebte Offenbachiade „ Die Großherzogin von Geroldstein " ausfüllen. Die vollen Häuser, welche die Direktion immer an Sonntag - Abenden mit Operetten erzielt, haben sie wohl aufmerksam gemacht, daß sie mit denselben am besten dem Geschmacks des großen Publikums zu entsprechen vermag. — Konimenden Montag findet die Benefize - Vorstellung für Frl. Noris, unsere ausgezeichnete, beim Publikum sich ungewöhnlicher Beliebtheit erfreuenden diesjährigen Localsängerin statt. Zur Aufführung gelangt das gelungene Charaktergemälde „ Die rothe Liesel " von Betty Ioung, eine Komödie, die sich an vielen deutschen Bühnen als sehr zugkräftig erwiesen. Die anmuthige Benefiziantin spieit die Hauptpartie. Die anderen Rollen liegen in den Händen unserer besten Kräfte.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 8. Jänner 1876, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3598-volksthuemliche-theaterabende-mit-grosser-theilnahme-und-1876).
(Interessanter Fund.) Herr Dr. E. Fischnaler hat im Stadtarchive zu Sterzing 25 dramatische Stücke aus dem Anfänge des 16. Jahrhunderts entdeckt. Als Schreiber derselben ( ob auch als Verfasser ist ungewiß,) bezeichnet s …
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