Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
RAUBMORD MIT TODESABSICHT

Blutiges Verbrechen in Widdum: Drei Deserteur planen Überfall auf Kuraten Kern

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 9. Oktober 1876 · Seite 4 · #Raub
mm ü88> wahrheitsgetreu berichten zu können. Der Verlauf des blutigen Dramas entwickelte und gestaltete fick nach den jetzt vorliegenden Daten folgendermaßen: Am Fieitag Abends desertirte der Kaiserjäger Karl Zorgschütz aus der in Kufstein stationirten Reservekompagnie, und gesellte sich verabredungsgewäß zu dem schon einige Tage früher desertirten Emmerich Wairather. Als dritter im sträflichen Bunde ist ein gewiffer Josef Kröll. ehemaliger Bremser, zu nennen. Diese drei Individuen, sämmtlich erst im Alter von 20 — 22 Jahren hatten sich von hier auS in der Absicht nach Böls begeben, um sich einge standenermaßen dort den Inhalt der Kaffe des Herrn Kuraten Kern, WallfahrtepriesterS am Blasienberg, gewaltsam anzueignen. Zu diesem Behufe zogen sie, vorderhand orientirungshalber, um 11 Uhr Bormittags am Widdum die Glocke und verlangten von der öffnenden Wirthschästerin, sie möge ihnen Milch verabreichen. Sie erwiderte ihnen, daß sie leider diesem Wunsche nicht entsprechen könne, weil sie selbst die Milch kaufen wüffe. Hierauf entfernten sich die Drei, um ihren verbrecherischen Plan noch eines Weitern zu bespreche ». Zorgschotz war mit einem Stocke, — wie wir hören, einem sogenannten „Todtscbläger ", — Kröll mit einem sechsläufigen Revolver, Wairather mit einer einläufigen Pistole bewaffnet. Die Genannten verfügten sich nach einiger Zeit in die dem Widdum nahegelegene Kirche, um dort das Terrain zu sondtren, weil sie besorgten, daß ihrem Vorhaben von zufällig darin befindlichen Andächtigen ein Ziel gesetzt werden könnte. Und richtig befand sich ein Bauer im Gotteshause, der ihnen nicht zu Gesichte stand. Emmerich Wairather wurde deshalb defignirt, den einsamen Beter zu überwachen, d. h. nöthigenfalls dessen, dem bedrohten Seelsorger eventuell von ihm zu gewährende Hilfeleistung hintanzuhalten. Kröll und Zorgschütz begaben sich sodann neuerdings in den Widdum und stellten dort das Ansuchen, in den. St. Blafienbund ", eine Art religiöser Junggesellen - Bruderschaft, ausgenommen zu werden. Die Wirthschäfterin brachte den Beiden die für diesen Zweck vorgedruckten, mit dem Bildnisse des hl. Blasius versehenen Gelöbniß - Formulare und über ihre Mit theilung kam auch der Herr Kurat Kern herbei, um die Aufnahme in die genannte Kongregation zu legalistren. Während nun Kröll sich niedersetzte und einen falschen Namen auf das Formulare schrieb, beugte sich Hochw. Kern vor, damit er sich überzeuge, ob die Eintragung richtig vor sich gehe. Diesen Moment ersah der hi ter dem Geistlichen stehende Deserteur Zorgschütz, um dem erkorenen Opfer einen Stockstreich über den Kopf
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. Oktober 1876, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3675-blutiges-verbrechen-in-widdum-drei-deserteur-planen-ueberfall-auf-1876).

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