Obgenannter Apparat, von einem englischen Physiker Namens Crookes erfunden, besteht zunächst aus einer hohlen, beinahe luftleeren Glaskugel, die nach unten in einen passenden Fortsatz ausläuft, der in einem Stative befestiget ist. In dieser Glaskugel steht eine dünne Glasröhre bis zum Mittelpunkte der Kugel reichend und an ihrem obern Ende mit einer eingekitteten, sehr spitzen Nadel versehen. Auf dieser Nadel dreht sich mit äußerst geringer Reibung ein horizontal liegendes sehr leichtes Kreuz und an jedem Ende dieses Kreuzes ist ein circa 1 Quadrat - Meter großes Glimmerplättchen befestigt, jedes dieser Plättchen ist auf einer Seite geschwärzt uns zwar so. daß dem Beobachter stets eine blanke glänzende und eine geschwärzte Seite ein und desselben Armes zugekehrt ist; ähnlich wie beim Robinson ' schen Anemometer die bewegte Luft stets eine convexe und eine concave Seite der Halbkugel trifft. Durch die Einwirkung de « Lichtes beginnt nun das ganze System sich in Rotation zu setzen und zwar um so rascher, je intensiver die auf den Apparat fallenden Lichtstrahlen wirken können. Der hierbei statlfindende Vorgang ist folgender: Die auf das Plättchen fallenden Lichtstrahlen werden von der glänzenden Obei fläche des Einen reflektirt, ohne daher zu einer Kraftäußerung zu gelangen, auf der geschwärzten Oberfläche des Andern hingegen wird der Lichtstrahl nicht reflektirt, sondern aufgesaugt, verwandelt sich daher in Wärme, die wieder auf die Nächstliegenden Lufttheilchen von sehr geringer Spannkraft auödehnend wirken, so daß in Folge dieser Ausdehnung ein Druck aufdas Plättchen ausgeübt wird, wodurch es zurückweichen muß oder mit anderen Worten das ganze System sich zu drehen beginnt. Ehe dieses Plattenpaar jedoch dem Einflüsse deS Lichtes entzogen ist, tritt bereits das zweite Paar an seine Stelle, bis auch dieses dem Ersten wieder weicht. Zahlreiche Versuche haben nachgewiesen, daß sowohl warme als kalte Lichtstrahlen, weiße und farbige, ja sogar dunkle Wärmestrahlen auf den Apparat wirken. Umgibt man die Kugel theilweise mit Eis oder Schnee, so daß von den Plättchen mehr Wärme ausgestrahlt wird, als sie aus der Umgebung empfangen, so entsteht ebenfalls eine drehende Bewegung, aber im entgegengesetzten Sinne.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. Jänner 1877, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3705-neuer-apparat-zur-demonstration-der-wirkung-von-lichtstrahlen-durch-1877).
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