Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAUER DER MODERNEN STADT

Würdigung der Thaten des scheidenden Bürgermeisters in der städtischen Entwicklung

1338 Die Volks und Bürgerschule in der Gilmstraße, das Mädchevschulhaus in St. Nikolaus, das schöne, allen Anforderungen der Neuzeit entsprechende SchulhauS in Dreiheiligen geben Zeugniß hievon. In die Amtsperiode deS Herrn Bürgermeisters fällt ferner das neue Gemeinde. Statut, fällt die Organisation deS Magistrates mit allen seinen Haupt und Nebenämtern und fallen eine Menge der wohlthätigsten Reformen in allen Zweigen der städt. Verwaltung; ferner die musterhafte Organisation des Feuerlöschwesens, die Errichtung der medizinischen Fakultät, der Psandleihanstalt und der Volksküche. Die seit Jahrzehnten erwartete Verarchung des Jnnflufses und damit die Beseitigung jeder Ueberschwemwungsgefahr, die Erbauung der Jnnbrücke und deS Gehsteges gehören hieher. Zur Verschönerung der Stadt geschah Enormes. Die Alleen und Anlagen wurden vermehrt, Straßen wurden regulirt, für den Ausbau der Stadt im Westen die schönsten Bauplätze beschafft, auf welchen gegenwärtig schon die stattliche Lehrerbildungs - Anstalt, die Sparkassa - ZinShäuser, Häuser von Privaten erbaut find und wo das chemische Laboratorium, die Oberrealschule erbaut werden sollen. Jnnsruck gehört jetzt schon zu den schönsten und reinlichsten Hauptstädten und die Fremden schwärmen geradezu dafür. WaS die Oekonomie der Stadt anbelangt, so muß dieselbe als ausgezeichnet bezeichnet werden. Die Passiven, welche ausgenommen wurden, stehen zu den neugeschaffenen Werthen im günstigsten Verhältnisse, alle Fonds, mit Ausnahme des Spital uud Armenfondes ergaben nach den letzten Jahresberichten Ueberschüffe. Den Bemühungen unseres Herrn Bürgermeisters ist eS gelungen, den Ertrag einer Staatswohlthätigkeits - Lotterie für den Spitalbau zu erhalten, und übersteigt dieser Fond bereits 80. 000 fl. Noch muß ich des Lotteriefondes, der b beuttndsten Errungenschaft in finanzieller Beziehung gedenken, dessen Schuld einerseits amortisirt werden kann, ohne den städt. Haushalt zu belasten und der uns andererseits die Mittel gibt, die der Ausführung harrenden Projekte zu Ende zu führen. Kurz, meine Herren, welcher Intellekt, welche Willenskraft und Ausdauer, welcher hohe Gemeinfinn gehört dazu, um Aehnliches in so verhältnißmäßig kurzer Zeit zu schaffen. So viel steht fest, daß wir unserem scheidenden Bürgermeister den allerwärmsten tiefsten Dank schuldig sind, welchem ich hiemit Worte verleihe. Und wenn Ihnen, hochverehrter Herr Bürgermeister, in Ihrer Amtsperiode Unangenehmes begegnete, wenn Ihnen Verkennen Ihres Wirkens oder Undank unterkam, heute vergessen Sie es, wo wir Ihnen unsere unveränderliche Verehrung und
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Mai 1877, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3756-wuerdigung-der-thaten-des-scheidenden-buergermeisters-in-der-1877).

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