Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ARMENDIREKTION MIT EISEN FAUST

Erfolgreiche Thätigkeit der städtischen Armendirektion in der Bekämpfung des Bettels

738 der erfolgreichen Wirksamkeit des Institutes der städt. Armendirektion zu erwähnen, welche sich zum Ziele gesetzt hat, den einerseits demoralisirenden und andererseits lästigen Bettel in den Häusern und auf der Straße zu beschränken und nach und nach zu beseitigen. Diese Wohlthätigkeitsanstalt sucht seit beinahe 5 Jahren ihrer schwierigen Aufgabe nach Möglichkeit gerecht zu werden, indem sie, wie wir vielfach zu beobachten und zu erfahren Gelegenheit hatten, jeden Hilfesuchenden nach seiner Würdigkeit und Dürftigkeit unterstützt. Die stävt. Armendirektion hat in diesem ihrem Berufs und Wirkungskreise auch hinlängliche Beweise ihrer umfassenden und umsichtigen Thätigkeit gegeben, denn wir können, ohne Widerspruch besorgen zu müssen, mit vollem Rechte zu Gunsten und zur Ehre dieses Institutes die Behauptung aussprechen, daß der Bettel in dieser verhältnißniäßig kurzen Zeit beinahe ganz aufgehört hat, wie man das nicht bald in einer andern Stadt findet. Werden die Bewohner Innsbrucks dieses Institut so eifrig, ja noch eifriger als bisher, in seinen Bemühungen dadurch unterstützen, daß sie jedem um ein Almosen Flehenden die persönliche Unterstützung versagen und den Armen freundlich und ermunternd an die städt. Arniendirektion verweisen, dann wird der Vorgesetzte Zweck bald vollständig erreicht sein. Wir möchten diesen Rath besonders deßwegen einer rücksichtsvollen Beachtung von Seite der edelgesinnten Bewohner Innsbrucks empfehlen, weil dadurch manchen erwerbsfähigen, aber arbeitsscheuen Leuten die Möglichkeit zum Nichtsthun benommen, weil dadurch dem Hange mancher Kinder zum Bettel ein wirksames Besserungsmittel entgegengesetzt wird. Sind einmal diese Menschenklassen dem Bettel entwöhnt, so ist es leichter möglich, sie zu ordentlichen Menschen heranzubilden, die auch durch Arbeit sich selbst ihren Unterhalt erwerben. Dadurch wird die Menge deö Proletariats geniindert, der Kreis deS erwerbsfähigen Mittelstandes aber erweitert, was der Stadt und Umgebung schon in der Gegenwart, besonders aber in der nächsten und ferner « Zukunft von unberechenbarem Vortheil und Nutzen sein wird. Fällt es deni zur Milde und Freigebigkeit geneigten und gestimmten Gemüthe auch schwer, den Bittenden ohne Almosen zu entlassen, so dürfte ihn doch die Ueberzeugung, daß der Hilfsbedürftige nicht ohne Unterstützung bleibt, zu dem Entschlüsse bewegen, durch persönliches Mitwirken zu dem gemeinsanien Werke, das nur durch festes und entschiedenes Zusammenhalten Aller gedeihen kann, das Seinige durch Zeichnung eines entsprechenden Beitrages zum städtischen Armenfonde nach besten
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 14. März 1878, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3887-erfolgreiche-thaetigkeit-der-staedtischen-armendirektion-in-der-1878).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Arbeitswelt, Medizin & Soziales“

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |