Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WENIGER SPALTPILZ, MEHR MITTEILUNGSBRENNER

Milder Parteikampf bei den Gemeindewahlen – Hetzer schüren den Zwist in einigen Gemeinden weiterhin

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 1. Juni 1878 · Seite 4
Näheres folgt. (Die Gemeindewahlen in den Landgemeinden) sind theils schon vorüber, theils stehen sie noch in den nächsten Tagen bevor. Im Allgemeinen kann man die Beobachtung machen, daß der Parteikampf bei den diesjährigen Wahlen kein so erbitterter ist, wie in den früheren Wahlperioden seit ungefähr einem Jahrzehent, und daß die Wähler bei der Abgabe ihrer Stimme mehr das Gesammtwohl der Gemeinde, als die Sonderinteressen und Bestrebungen der Parteien im Auge haben. In manchen Gemeinden ist der Parleikampf als erloschen zu betrachten. In anderen gibt es aber immer noch ehr und herrschsüchtige Hetzer, die an der Ruhe und dem Frieden in einer Gemeinde keinen Gefallen finden können, die ein Einvernehmen und Uebereinkommen auch in religiös und politisch ganz indifferenten Sachen zwischen Liberalen und Konservativen als verabscheuungswürdigen und pflichtwidrigen mocku « vivendi verdammen, und die demgemäß fort und fort schüren und blasen, um die Flamme des Zwistes und Haders im Lodern zu erhalten. Als Brennmaterial legen sie jetzt vorzüglich das Wahlrecht der Gemeindegenossen auf den Herd des Parteizankes und sie behaupten mit frecher Stirne ungeachtet des klaren Wortlautes des tirolischen Landesgesetzes selbst, daß die Anwendung der Bestimmungen des Reichsgrundgesetzes auf die Gemeindewahlen eine Verletzung der tirolischen Landesrechte sei. Ja selbst der Thatsache sprechen sie Hohn, daß in nianchen Landgemeinden seit vielen Jabren die Gemeindegenossen nicht blos ihr Wahlrecht ausübten, sondern auch als Ausschußniitglieder und Gemeinderäthe und selbst als Gemeindevorsteher, wie es auch bei der diesjährigen Wahl in der Gemeinde Ampaß der Fall war, gewählt wurden. Ja in der „ guten alten " Zeit fiel es Niemanden ein, einen Steuerträger zu fragen, ob er Genosse oder Angehöriger sei. Es gibt nun Landgemeinden, die sich im Verlause der Zeiten durch Erfahrungen klug gemacht, dem Einflüsse solcher Ruhestörer zu entziehen wissen und die unbekümmert uni die Schlachtenrufe der staatsrechtlichen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 1. Juni 1878, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3911-milder-parteikampf-bei-den-gemeindewahlen-hetzer-schueren-den-zwist-1878).

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