Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GASSEN ÜBERFALLT VON SCHMUTZ

Zur Reinlichkeit der St. Nikolausgasse und dem kleinen Landsee an der Jnnstraße

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 10. Juli 1878 · Seite 5
Unrath wachgerufen werden sollen. Diese Farbenmischung vom Smaragdgrün bis zum glanzlosen Grau des Straßenstaubes zaubert uns hier wahrlich einen der schönsten Edelsteine der äußerst reinlichen Stadt vor die Augen. Wenn dieses Kleinod der Jnnstraße am Ende nur nicht von den sengenden Sonnenstrahlen ausgezehrt oder gar von zu heftigen Regengüssen weggespült wird! Doch darüber dürfen wir uns keine Sorgen machen, denn es wurde uns von Anwohnern auf das Bündigste versichert, daß diese Zierde schon seit vielen Jahren bestanden habe und hoffentlich noch wenigstens ebensoviele Jahre bestehen dürste. Wir enipfehlen indessen diesen niedlichen Landsee zur Trockenlegung einem löblichen Baudepartement der hohen Statthalterei, indem wir der allerdings unmaßgeblichen Meinung huldigen, daß sich ihm dort, wenn auch kein weites, doch immerhin ein dankbares Feld seiner Thätigkeit eröffnen werde. Sollten wir nach Beendigung unseres Rundganges etwa wieder in diese lieblich duftende Gegend verschlagen werden und wir finden dann noch dieses kleine „ tobte Meer " neben der verfallenen Mauer vor, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als ein kräftiger Appell an die Freunde zur Erforschung und Erhaltung von Bau - Denkmalen und Alterthümern, damit diese einen so seltenen Punkt voll landschaftlicher Reize, historischer Erinnerungen und unerforschlicher Merkwürdigkeiten als ein Denkmal von ärarischer Straßen - Konservirung in ihre Obhut nehmen. Bei dieser Gelegenheit erwähnen wir noch der täglich sich erneuernden Hügel ganzer Massen von Küchenabfällen, die meistens den ganzen Tag über die Oeffnungen der Wafferkanäle überwölben, um dem Spaziergänger durch die Jnnstraße, die Kirch und St. Nikolausgasse die richtigen Begriffe von der oft gerühmten Sauberkeit der Stadt zu vermitteln. Wir dürfen hier schon von der Reinlichkeit der Stadt reden, da ja gerade St. Nikolaus ein sehr reichbevölkerter Theil der Stadt ist, wo die Gesundheitspflege und die Entfernung gesundheitsschädlicher Gegenstände gewiß die Beachtung unserer Sanitätsorgane verdient. Wir wollen jedoch nicht einseitig sein und die Schuld an diesem Mangel von Reinlichkeit etwa blos der Polizeibehörde oder den Sanitätsorganen zumessen. Die Hauptschuld liegt im Gegentheil in dem Mangel an Ordnungsliebe der Einwohnerschaft. Wenn Hausfrauen, Mägde und Köchinnen zu jeder Zeit des Tages, wie es ihnen beliebt, allen Kehricht und Unrath nur vor die Thüre in die Mitte der Gasse werfen und ihr Pluderschaff allüberall ausleeren, so wird eine solche Gasse oder Straße immer von Schmutz und Gestank erfüllt sein. Dagegen hilft keine Polizeiwache, die man doch nicht an jede Ritsche stellen kann und keine Vorschrift der Behörde. Die Bürgerschaft muß die Pflege der Reinlichkeit in der
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. Juli 1878, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3932-zur-reinlichkeit-der-st-nikolausgasse-und-dem-kleinen-landsee-an-1878).

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