Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SCHIESSSTAND ZWISCHEN KLAGE UND KNALL

Wiederholt gesperrter Landeshauptschießstand trotz Festschießens 1877

Gerne » ' nderaths - Sitzung vom 15. Februar. (Fortsetzung.) Zwölf Jahre hindurch ward also der Landeshauptschießstand als zweckentsprechend gehalten, erst nachdem das Projekt der Garnisons - Schießstätte in der Amraser Au gescheitert war, kamen zumeist aus den der L. - B. - Oberbehörde nahestehenden Militärkreisen Klagen wegen Unzweckmäßigkeit und Unsicherheit. Bei Schießübungen der Schützen und Sturmmänner sollen Kugeln die Nachbarschaft gefährdet haben, obwohl man meinen möchte, daß dies bei militärischen Schießen, wo hinter jedem Schützen ein Instruktor zu stehen pflegt, bei einiger Achtsamkeit schwerlich Vorkommen könnte. Allein, wie dem auch sei, in Folge der Beschwerden der Anrainer, die natürlich froh wären, wenn das Knallen für immer verstummen müßte, wurde der Weitstand behördlich gesperrt. Ob die Bezirkshauptmannschaft allein dazu kompetent war, da das Gebäude mit Kugelfang zum Amtsbereich des Magistrates gehört, ist in Frage zu stellen. Ein aus Ersuchen der Schießstands - Vorstehung vom städtischen Ingenieur verfaßter Plan zu neuen Versicherungen wurde 1876 der L. - V. - Oberbehörde vorgelegt, aber ungenügend befunden; der Plan soll dann verloren gegangen sein. Die Innsbrucker Standschützen mußten nun ihre Schützengaben am Weitstande auf dem Berg - Jsel ausschießen und der Landeshauptschießstand verödete sichtlich. Nun kam 1877 die Enthüllungsfeier des Rudolfbrunnens, ein großes Freischießen am Landeshauptschießstande war zu derselben erwünscht und die Bestgabe des Landesausschusses ausdrücklich für den Weitstand bestimmt. Die Herstellung des in Folge der Sperrung verwahrlosten Weitstandes erforderte einen Kostenaufwand von 2500 fl., wozu der Schießstands - Vorstehung Geldmittel in Aussicht gestellt wurden. Die Schutzvorkehrungen wurden behördlich collaudirt und das große Festschießen ging ohne irgend einen Unfall von Statten, trotzdem 8 Tage lang auch bei 500 ungeübte Jung und Landesschützen schossen. Nach Ende des Festschießens aber mußte der Weitstand wegen Sicherheitsgefährlichkeit wieder geschlossen werden. War derselbe wirklich polizeiwidrig, so mußte er es auch während des Schießens gewesen sein, oder hätte etwa zum Feste die öffentliche Sicherheit gefährdet werden dürfen!? Doch auch mit dem in Aussicht gestellten Kostenbeitrage ließ man den Schießstand im Stiche und dieser hatte nun statt einer
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. Februar 1879, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3984-wiederholt-gesperrter-landeshauptschiessstand-trotz-festschiessens-1879).

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