Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
TOD DES BRAVEN SOLDATEN IM STADTLICHEN GELEITE

Stattlicher Leichenzug für den verstorbenen Einjährig-Freiwilligen Josef Peterlongo

808 (Josef Peterlongo ' S Leichenbegängniß.) Gestern Nachmittags bewegte sich ein Leichenzug so groß, wie selten Einer dahier, von der MariaTheresienstraße aus auf den städtischen Friedhof. Voran schritt die Regimemskapelle und dem mit Kränzen und Schleifen überschütteten Leichenwagen, der von Mitgliedern des Veteranenvereins zu beiden Seiten begleitet ward, folgten, Seine Excellenz der Herr Landeskommandirende FM 8. Graf Thun an der Spitze, in großer Anzahl Offiziere der Armee, der Reserve und der Landwehr der verschiedensten Waffengattungen, die Einjährig - Freiwilligen des Kaiserjäger - Regimentö und eine Abtheilung des Jnft. - Reg. Maroicic und dann eine lange Reihe von der Civilbevölkerung unserer Stadt. Sie alle gaben dem zu Gries bei Bozen an den Folgen der Strapazen des vorjährigen Feldzuges verstorbenen Einjährig - Freiwilligen des Kaiserjäger - Regiments und absolvirten Ober - Realschüler Josef Peterlongo das Geleite zur letzten Rubestätte und die Liedertafel widmete dem zu früh Verstorbenen, welchem ja selbst bekannllich die Muse der Tonkunst hold gewesen, vor der Johanneskirche ein Grablied. Die Bevölkerung Innsbrucks bewies durch diesen stattlichen Leichenzug nicht nur lebhafteste Theilnahme für die um diesen Verlust tief trauernde Familie, sondern zugleich auch, wie sehr sie treue Pflichterfüllung eines braven Soldaten zu ehren weiß. Peterlongo war am 9. August v. I. zu seinem Bataillon eingerückt, als es 3 Stunden südlich von Mostar im großen Lager bei Buna lag; am 17. desselben Monats kämpfte er bei Cernice und am 21. bei Kremenaz Hierauf machte er vom 20. September an die mit den grcßten Entbehrungen verbundene Belagerung der Feste Klobuk mit und als diese am 27. September verlassen wurce, nahm er noch am anstrengenden Marsche nach Trebinje theil. Doch auf diesem Wege erlag endlich die moralische Kraft, die ihm seine Kameraden nachrühmen, und die Elastizität der Jugend den Anforverungen an die physische Leistungsfähigkeit, und er kam krank in ' s Spital nach Ragusa. Das Weitere ist unseren Lesern bekannt. Wir glauben der Bescheidenheit der Familie Peterlongo nicht zu nabe zu treten, wenn wir bei diesem Anlasse der reichen Gaben erwähnen, welche sie im edlen Mitgefühle zur Untertzützung kranker und leidender Jäger des dritten Bataillons mit freigebiger Hand spendete. Das Bewußtsein der edlen That und der Dank der in vielen Herzen unserer tapferen Landsleute fortlebt, möge sie, die mit diesen Gaben fremden Schmerz zu lindern trachtete, nun im eigenem Grame trösten!
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. März 1879, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/3993-stattlicher-leichenzug-fuer-den-verstorbenen-einjaehrig-1879).

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